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Navarra-Beatus (um 1190)

Der Navarra-Beatus zählt zu den späteren Beatus-Exemplaren und ist im Königreich Navarra um das Jahr 1190 angefertigt worden. Heute wird er in Frankreich aufbewahrt, in der Französischen Nationalbibliothek zu Paris unter der Signatur MS nouv. acq. lat. 1366.
Ähnlich wie beim Morgan-Beatus breitet sich die Miniatur über die zwei Seiten aus, hier über fol. 148v und fol. 149r. Vier der Engel an den Ecken treten mit ihren spitzen Flügeln aus dem eigentlichen Bild heraus und stoßen fast bis an den Rand des Blattes. Johannes auf Patmos und der Engel, die bislang stets auf dem folgenden Blatt separiert waren, sind nun in einem eigenen kleinen Kästchen an das Bild rechts herangerückt. Johannes steht dabei auf einem Hügel, der nicht mit dem Zionsberg zu verwechseln ist. Bei der Stadt rechts fällt auf, dass die zwölf Apostel nun in Tondi gefasst sind, wohingegen die Tore als Arkadenreihen wie in einem Klostergarten gestaltet wurden. Es sind stets zwei Doppeltore in Lila und in Rot, die offensichtlich geschlossen sind – insgesamt also 24 Tore. Weggefallen ist eine lateinische Beschriftung wie auch die naturistische Farbgebung. Die Grundfarben des Navarra-Beatus, ein kräftiges Rot und Violett, bestechen noch heute mit ihrer Klarheit und Leuchtkraft. Auch die Mitte ist im Vergleich mit den vorangegangenen Beati neu besetzt: Hier thront nun Christus Pantokrator, mit Vollbart und erhobener Hand.

Henri Stierlin: Die Visionen der Apokalypse. Mozarabische Kunst in Spanien, Zürich 1978.
Soledad de Silva y Verástegui: Le Beatus navarrais de Paris (Bibl. Nat. nouv. acq. lat. 1366), in: Cahiers de Civilisation Médiévale, 40, 3, 1997, S. 215-232.
Soledad de Silva y Verástegui (Hrsg.): Beato de Navarra: Ms. Nouv. acq. Lat. 1366 de la Bibliothèque nationale de France, Madrid (2007).

 

tags: Beatus, mozzarabisch, Navarra, Frühmittelalter, Französische Nationalbibliothek Paris, violett, Christus Pantokrator
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