Max Weiss (1921-1996): H. Isidorus in Heibloem (1952)

Auch in den Niederlanden wurden im Zweiten Weltkrieg durch Sprengbomben außerordentlich viele Glasfenster für immer vernichtet. Mauersteine kann man wieder zusammenfügen, Glassplitter nicht. Der schweizerische Bildhauer und Maler Max Weiss (1921-1996) aus Emmenbrücke schuf im Jahr 1952 neue Fenster für die römisch-katholische Kirche H. Isidorus. Der Bau ist eine Hallenkirche aus Backstein mit einem Satteldach und befindet sich in der Gemeinde Heibloem in der Provinz Limburg.
Weiss entschied sich für düster wirkendes Bleifenster in grauem, grünstichigen Antikglas mit Grisaillemalerei. Während Anfang der 1950er Jahre woanders noch einfache Notverglasungen dominierten, konnte man sich in dem kleinen Ort Buntglasfenster eines international renommierten Künstlers leisten. Ein Fenster mit dem Titel „Het nieuwe Jerusalem“ zeigt die ummauerte Stadt, die aus verschiedenen spätmittelalterlichen bzw. frühneuzeitlichen Bauten besteht. Es sind vornehmlich Kirchen, die an die Silhouette des Doms von Aachen erinnern. Nach drei Seiten strahlt die Stadt zackige Strahlen von weißem Licht aus. Unten hat Weiss eine morbide Szenerie vor die Stadtmauer gesetzt. Links befindet sich eine Kloake, aus der Wasser bzw. Abwasser tritt. Daneben steht ein schiefes Kreuz, das auf die Mauer seinen Schatten wirft. Daneben befindet sich ein niedriges Tor mit einem schwarzen Eingang, dann ganz rechts einige Stufen, die zum Friedhofsgatter führen. Über diese düsteren Elemente zieht sich die eigentliche Stadtmauer mit Zinnen, auf der man einzelne Steine gut ausmachen kann.

Peter F. Althaus, Robert Gnant: Max Weiss, Luzern 1968.
KünstlerInnen im Mendrisiotto, Hochdorf (1991).
Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Teil 3, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 26).

 

tags: Niederlande, Grisaille, Friedhof, morbide, Kreuz
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