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2000, Edelsteingarten Kempfeld, Rheinland-Pfalz 1 @ Claus Bernet

Martin Schupp (1947-1919): Edelsteingarten in Kempfeld (2000)

In Kempfeld bei Idar-Oberstein wurde im Jahr 2000 von dem Juwelier und Edelstein-Sammler Martin Schupp (1947-1919), in Anlehnung an die populären Bibelgärten, ein Edelsteingarten errichtet. Bei dem Festgottesdienst wurde damals das „Neue Jerusalem“ dieses Gartens als Altar geschmückt. Fast dreihundert Gäste sangen und beteten unter freiem Himmel mit Pfarrer Friedemann Schmidt-Eggert bei der Enthüllung der zwölf Edelsteine, die symbolisch als Grundstein für das Himmlische Jerusalem stehen. Auch in den folgenden Jahren fanden Gottesdienste vor diesem Jerusalem statt. Mittelpunkt des Gartens ist die Anlage „Neues Jerusalem“, vorgesehen als Ort der Kraft, Ruhe und Besinnung. Die Basis dieses Kunstwerks ist eine etwa 1,20 Zentimeter hohe Stele aus gemauerten Natursteinen, um es den Besuchern zu ermöglichen, dieses Neue Jerusalem anzufassen, was ausdrücklich erwünscht ist. Auf diese Stele ist ein quadratisches Feld gesetzt, welches mit Kieselsteinen bedeckt ist und wo an den Rand zwölf hoch aufragende Tore aus gebogenem Messing gesetzt sind. Jedes Tor ist mit einer Perle geschmückt. Zwischen die Tore wurden die Edelsteine als eine Art Mauer gelegt, wie es in der Bibel beschrieben ist. Deswegen wurde in der Mitte eine stilisierte Bibel postiert, mit dem aufgeschlagenem Text der Offenbarung, Kap. 19-21, in der Johannes die Stadt beschreibt.

Wie sieht nun die Situation nach gut zwanzig Jahren aus? Oben ist zu lesen, was man in diesem Garten alles nicht darf – glücklicherweise ist das Fotografieren (noch) nicht verboten. Fett hervorgehoben ist zu lesen: „Die Beschädigung oder das Entfernen von Edelsteinen werden grundsätzlich zur Anzeige gebracht.“ Ebenso hätte man schreiben können: „Klaut, zerstört, beschmutzt“. Der derzeitige Zustand ist eine Katastrophe, und es ist dem 2019 verstorbenen Martin Schupp erspart geblieben, was aus seinem liebevollen Gartenobjekt geworden ist: Von den zwölf Edelsteinen sind lediglich fünf übrig geblieben, der Rest wurde gestohlen. Die vier Bergkristalle, die Schupp in die Ecken der Stadt setzte, sind komplett entwendet worden. Teilweise wurden sogar die Bodenplatten und die Verankerungen der Steine mutwillig verdreht, aus purer Lust an Gewalt. Auch wurden komplett alle Metalltore umgebogen. Die erklärende Texttafel ist vor Schmierereien und Verkratzungen fast unlesbar.
Für mich ist dieses Kunstwerk inzwischen ein Mahnmal der aggressiven Zerstörung und des Vandalismus, den man auch an vielen anderen Orten wahrnehmen kann.

Claus Bernet: Neues vom Neuen Jerusalem: Kunstwerke ab dem Jahre 2000 (Teil 5), Norderstedt 2018 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 45).

 

tags: Rheinland-Pfalz, Edelstein, Garten, Vandalismus, Meditation
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