Gerichtsdarstellung aus St. Johannes in Kitzingen (um 1400)

Die katholische Kirche St. Johannes in Kitzingen (Unterfranken) besitzt eine Gerichtsdarstellung im spätmittelalterlichen Tympanon. Sie befindet sich am Nordportal mit einer Darstellung des Jüngsten Gerichts, die auf circa 1400 datiert wird und am Außenbau heute das älteste plastische Bildwerk der Kirche sein dürfte. Wie zur Entstehungszeit üblich ist an der linken Seite Petrus an der Himmelspforte dargestellt. Obwohl das Werk aus hellem Main-Sandstein ist, hat es überaus gut erhalten, mit einer Ausnahme: Ausgerechnet die wichtigste Figur, Petrus, hat seinen Kopf verloren – sicher nicht zufällig, sondern ein gezielter Anschlag von Vandalismus. Er wendet sich mit dem Schlüssel zur Himmelspforte, die wie ein gotisches Sakramentshäuschen gestaltet ist und die linke Seite abschließt, wobei man noch den Lebensbaum in der Ecke erkennen kann. Das ist überaus selten, den fast immer findet man ansonsten an dieser Stelle einen Wolkenfries. Auf der anderen Seite sind verschiedene Personen dargestellt, die für sich einen Stand repräsentieren. Es sind vor allem geistliche und weltliche Herrscher, die man an ihrer Kopfbedeckung zuweisen kann, wie ein Bischof oder ein König. Frauen sind auf solchen Ständeversammlungen stets unterrepräsentiert, das Mittelalter war nach außen hin männlich, erst gut tausend Jahre nach dieser Zeit hat man eine Sensibilität für die damaligen Ungerechtigkeiten und Asymmetrien. 

Anton Englert: Kath. Stadtpfarrkirche St. Johannes Bapt. Kitzingen am Main, München 1979.
Doris Badel u.a. (Hrsg.): Katholische Pfarrkirche St. Johannes in Kitzingen: Beiträge zur Kirchen- und Kunstgeschichte, Kitzingen 2016.

 

tags: Unterfranken, Tympanon, Pforte, Lebensbaum, Weltgericht, Vandalismus, Ständevertreter
Share:
error: