Jüngstes Gericht aus Schwaben (um 1460)

Dieser kolorierte Holzschnitt (Ausschnitt, Gesamtgröße 38 x 27 Zentimeter), der einst eine Bibel oder ein Erbauungsbuch schmückte, wurde vermutlich, um ihn besser verkaufen zu können, für eine Auktion 1904 aus seiner Buchbindung herausgerissen. Später gelangte er im Zweiten Weltkrieg als Beutekunst mit in die USA. Er ist derzeit Teil der Sammlung Rosenwald der National Galery of Art in Washington. Das Himmlische Jerusalem unten links, gegenüber der Hölle rechts, besteht aus einem Tor mit Satteldach und zwei seitlichen und niedrigen Türmen, ganz so, wie spätmittelalterliche Stadteingänge ausgesehen haben. Petrus öffnet gerade die Tür, von der man sogar die schmiedeeisernen Beschläge erkennen kann. Vor ihm steht eine Gruppe von Personen, die mittelalterliche Stände vertreten, in der Zeiten Reihe ist auch ein Bauer und eine Nonne darunter.
Der einfache Holzschnitt stammt wahrscheinlich aus Schwaben und muss in dieser Form bekannter gewesen sein, denn der Meister von Schöder benutzte diese oder eine ähnliche Arbeit als Vorlage seines Himmlischen Jerusalem in der Marienkirche in Schöder und der Nikolauskirche von Bad Gastein, die ebenfalls um 1460 entstanden, wo aber der rechte Turm weggelassen wurde. Fast genauso ausgestaltet wie die Pforte und sogar noch höher ist übrigens die Höllenpforte auf der gegenüber liegenden Seite. Hier ist die Pforte doppelt so groß und steht weit offen.

Richard S. Field (Hrsg.): Fifteenth-century woodcuts and other relief prints in the collection of the Metropolitan Museum of Art, New York 1977.
Richard S. Field (Hrsg.): Fifteenth century woodcuts and metalcuts from the National Gallery of Art, Washington D.C., Washington 1996.

 

tags: National Galery of Art in Washington, Blockbuch, Weltgericht, Schwaben, Höllenpforte, Spätmittelalter
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