Meister d: Metallschnitt (um 1500)

Dieser seltene Metallschnitt aus Österreich entstand um 1500 und befindet sich heute in der Grafischen Sammlung des Benediktinerstifts Seitenstetten, ein anderes Exemplar hat sich in der Französischen Nationalbibliothek in Paris. Er hat die Größe von lediglich 30 x 20 Zentimeter. Das Himmlische Jerusalem ist hier in Form einer kleinen Kirche dargestellt, in welche Petrus und Engel die Geretteten einweisen. Während die Engel und Petrus Gewänder tragen, müssen die Geretteten nackt antreten. Sie vertreten mittelalterliche Stände und sind allein an ihrer Kopfbedeckung als Papst, Bischof, König usw. auszumachen. Der Papst ist übrigens zweifach dargestellt: einmal auf dem Weg ins Neue Jerusalem, dann links unter der Mandorla, wo er von einem Teufel in die Hölle gerissen wird. Der Bau kommt eigentlich ganz ohne gotische Formen aus, ist aber überaus detailreich gestaltet; so hat zum Beispiel die Treppe zur Eingangspforte ein hölzernes Geländer oder auf dem Dach kann jede einzelne Schindel gezählt werden.
Der Bau befindet sich auf diesem Bild noch nicht auf der linken, oberen Seite, sondern rechts unten, ist aber auf einem späteren Druck auf der linken Seite. Auf der rechten Seitenwand der Kirche ist übrigens das Meisterzeichen angebracht: ein schwarzes Schild mit einem weißen Herzen, darin der Buchstabe „d“. Bislang konnte der Name des Künstlers nicht aufgedeckt werden, so dass man den Notnamen „Meister d“ wählte.

Wilhelm Ludwig Schreiber: Handbuch der Holz- und Metallschnitte des 15. Jahrhunderts, Bd. 5, Leipzig 1928, Nr. 2407.
Karl Brunner (Hrsg.): Seitenstetten. Kunst und Mönchtum an der Wiege Österreichs, Wien 1988.
Claus Bernet: Die Frühe Neuzeit: Eine Hoch-Zeit der Jerusalemskultur, Norderstedt 2016 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 5,2).

 

tags: Metall, Österreich, Zweiwegebild, Ständevertreter, Notname, Teufel, Französische Nationalbibliothek Paris
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