Radleuchter der Sankt Peterskirche/Saint-Pierre-le-Jeune in Straßburg (um 1890)

Der mächtige Kronleuchter, der die Mitte der römisch-katholischen Kirche Jung Sankt Peterskirche/Saint-Pierre-le-Jeune catholique in Straßburg schmückt, ist ein repräsentatives Muster der Goldschmiedekunst am Ende des 19. Jahrhunderts. Entstanden ist er etwa um 1880, als Straßburg zum Deutschen Reich gehörte und mit solchen bildlichen Verweisen auf das Mittelalter auch diese Zugehörigkeit dokumentiert werden sollte.
Das Meisterwerk der Neoromanik ist eine frühe Arbeit des Goldschmieds Eugene Braun (1867-1955), dem Neffen und Nachfolger von Auguste Laroche (geb. 1844). In der zwischen 1889 und 1893 erbauten Kirche, die ebenfalls im Stil der Neoromanik errichtet wurde, fand er einen passenden Ort der Aufhängung.
Der neue Leuchter ist einem verschollenen romanischen Leuchter der Abteikirche Weißenburg und dem Hildesheimer Heziloleuchter nachempfunden. Sein vergoldeter Reif aus Bronze zeigt daher ebenfalls zwölf Tore, die mit versilberten Apostelfiguren besetzt sind. Weitere zwölf kleinere Tore, die keine Figuren besitzen, sind zwischen diese größeren gesetzt. Der Reif ist reichlich ornamentiert und überwiegend durchsichtig. Ursprünglich befanden sich auf ihm Kerzenhalter, die heute durch elektrisches Licht ausgetauscht sind.
Der Straßburger Leuchter ist ein wichtiger Bestandteil der kirchlichen Ornamentik, der nach dem Brand der Kuppel im Jahre 1970 restauriert und 1992 wieder an seinen ursprünglichen Platz, der zentralen Kreuzvierung der Kirche, angebracht wurde.

François Joseph Fuchs: Centenaire de l’église catholique Saint-Pierre-le-Jeune Strasbourg: 1894-1994, Obernai 1994. 

 

Beitragsbild: © Ralph Hammann – Wikimedia Commons, StPierreJeuneCath 20, CC BY-SA 4.0

tags: Straßburg, Elsass, Frankreich, Neoromanik, Jerusalemsleuchter, Bronze, Historismus
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