In Saint-Lizier (Département Ariège, Okzitanien, nördliche Pyrenäen) befindet sich in der Altstadt eine romanische Kathedrale, einst berühmt für ihre Freskomalereien, die inzwischen, wie bald jede Kathedrale, natürlich zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Zu Recht, denn in ganz Okzitanien ist dies die älteste Darstellung eines Himmlischen Jerusalem, welche bald eintausend Jahre alt sein wird.

Die Malereien sind gegen Ende des 11. Jahrhunderts in der nördlichen linken Apsis der Kathedrale entstanden und wurden 1985 unter Marc Téhéry umfassend konservatorisch gesichert. Dennoch schreitet der Verfall und das Verblassen weiter voran, das belegt eine Gegenüberstellung einer Aufnahme von meinem ersten Besuch Ende der 1990er Jahre mit einer neuerlichen Aufnahme von 2026.

Leider fehlen großflächige Partien, und auch der Rest ist teilweise beschädigt, so dass ein Bild des Ganzen nicht mehr vollumfänglich möglich ist. Vollständig verloren ging beispielsweise die Kuppelmalerei der Apsis, die, deutet man die Fragmente korrekt, ein Weltgericht zeigten. Die Deckenmalerei darüber überzieht noch heute komplett das romanische Tonnengewölbe. An den unteren Seiten sind die vier apokalyptischen Wesen dargestellt und mit einer lateinischen Beschriftung mit den vier Evangelisten gleichgesetzt. Dort findet man auch, rechts neben Matthäus, Christus als Weltenrichter in einer Mandorla.

In dem Gewölbebogen darüber sind links wie rechts drei Heilige Dargestellt, die jeweils von einer vierten Person in Empfang genommen werden. Da sich auf der nördlichen rechten Apsis ebenfalls eine solche Malerei befand, die allerdings vollständig verloren ging, hat es sich ursprünglich um zwölf Heilige, vermutlich die zwölf Apostel gehandelt. Gerade vom Himmlischen Jerusalem neben und zwischen den Heiligen/Aposteln sind zentrale Partien verloren; erhalten haben sich lediglich die gemauerten Fundamente der Stadt, Ansätze von Treppen und die unteren Partien von Heiligen, die in den geöffneten Toren zwischen den Mauern standen.

Jean-Baptiste Gros: Saint Lizier. Ses monuments, ses cathédrales, ses saints, ses évêques, Marsan 1912.
François-Joseph Samiac: Les concathédrales de la ville de St Lizier, in: Bulletin Historique du Diocese de Pamiers, Couserans et Mirepoix, 3, 1914, S. 97-105.
Annie Cazenave: Découverte d’un ensemble de fresques romanes et de peintures gothiques de la cathédrale de St Lizier, in: Actes du 89éme congrès des Sociétés académiques et savantes Lyon 1964, S. 343-345.
Marcel Durliat: Pyrénées romanes, (St.-Léger-Vauban) 1978 (2).
Marcel Durliat: Une représentation de la Jérusalem céleste dans la cathédrale de Saint-Lizier, in: Rita Lejeune, Joseph Deckers (Hrsg.): Clio et son regard: Mélanges d’histoire, d’histoire de l’art et d’archéologie offerts à Jacques Stiennon à l’occasion de ses vingt-cinq ans d’enseignement à l’Université de Liège, Mardaga 1982, S. 199-209.



