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José Rodríguez Carnero (1649-1725): Gemälde der Maria Immaculata (um 1690) und Kopien

Das großformatige Ölgemälde „La Inmaculada como la Jerusalén celeste“ (auch: „La Inmaculada y la ciudad de Dios“) stammt von José Rodríguez Carnero (1649-1725, auch José Rodríguez de los Santos) aus Mexiko-Stadt, der es um 1690 in Puebla malte. Es ist heute Bestandteil der Gemäldesammlung des Museo Regional de Puebla in Mexiko. Es handelt sich um eine ausdifferenzierte Immaculata-Darstellung nach Vorlage des Werkes „Mystica Ciudad de Dios“ von Pedro de Villafranca y Malagón: Um eine stehende Marienfigur sind oben ihre Symbole angeordnet. Zu ihren Füßen breitet sich eine goldene Gottesstadt (Civitas Dei) mit offenen Toren aus. Es sind zwölf Tore an der Zahl, in denen jeweils mächtige Engelsfiguren stehen. Die gesamte Stadt ist golden gehalten, was eine Spezialität von Carnero war, der auch als Goldschmied arbeitete. Wegen des einheitlichen Goldtons heben sich die vielen Einzelheiten kaum ab. Man findet im Stadtinneren aber zahlreiche Häuser, die in rechteckige Stadtviertel eingeteilt sind, mit jeweils einer Hauptkirche. Besonders geschmückt wurde die Stadtmauer, auf ihr sind die Edelsteine, die eigentlich das Fundament Jerusalems ausmachen, aufgesetzt. So viele Mühe auf die Miniaturbauten der Stadt verwendet wurde, so fällt doch auf, dass alle Straßen und Plätze menschenleer sind.
Die bald populäre Malerei wurde von Carneros mindestens ein zweites Mal ausgeführt. Sein Gemälde „Inmaculada Concepción“, entstanden um 1700, ist heute im Besitz der römisch-katholischen Kirche San Antonio de Padua im mexikanischen Puebla. Diese Wiedergabe des Motivs Maria Immaculata zeigt in der Bildmitte wieder eine stehende Marienfigur, umgeben von ihren zahlreichen Symbolen, wie sie in der Lauretanischen Litanei beschrieben sind.

Im Gegensatz zu der ersten Fassung ist diese Stadt durch den unteren Bildrand beschnitten, so dass der Betrachter in die Stadt mit aufgenommen wird, eine einzigartige Technik, die viel zu selten angewandt wurde. So sieht man hier vor allem die Tore von ihrer Rückseite. Die Stadt ist mit zahlreichen Wohnbauten übersät, die wie das Ruinenfeld von Pompeji erinnern. Durch ein weißes Oval ist davon das zentrale Gotteslamm, das auf dem Buch des Lebens thront, abgegrenzt. Neben den Toren um die Stadt hat Carnero auf diesem Gemälde zwei weitere Himmelspforten versteckt. Eine findet man als breites barockes Tor links neben der Stadt, leider wegen Verschmutzung etwas verdunkelt. Dort begrüßt ein Engel gerade einige Gerettete. Eine andere Pforte findet man oben auf dem Bild, getragen von einem Engel. Diese steht offen und wurde mit wenigen Pinselstrichen skizziert, wodurch Carnero Leichtigkeit und Dynamik zu erzeugen vermag:

 

Von dem Gemäldetypus hat sich eine weitere Kopie erhalten. Man findet diese im Konvent San Miguel von Huejotzingo. Dieses ist ein ehemaliges Franziskanerkloster mit Kirche im mexikanischen Bundesstaat Puebla. Dort wird das Ölgemälde „La Inmaculada Concepción como Mística Ciudad de Dios“ aufbewahrt, nämlich in der Marienkrönungskapelle der Klosterkirche. Im Vergleich mit dem Original gilt eine Entstehungszeit um 1700 als gesichert, der Maler und der Entstehungshintergrund sind nicht näher bekannt, mglw. war es ein Schüler von José Rodríguez Carnero oder der Meister persönlich. Auch hier schwebt eine Marienfigur über dem Neuen Jerusalem, die aber, im Vergleich zur Fassung von 1690, zur gegenüber liegenden Seite hin ausgerichtet ist. Die vorderen drei Tore der Stadt sind mit deutlich sichtbaren Figuren besetzt. Im Inneren lösen sich große Straßen oder Plätze mit eng bebauten Stadtquartieren ab, doch hier sind ist die hintere Querstraße weggelassen worden, es sind also drei Stadtquartiere weniger. Dafür sind die Mauern und Zinnen überaus geschmückt, die gesamte Anlage scheint aus purem Gold zu bestehen.

Ruiz Gomar: El pintor José Rodríguez Carnero, in: Anales del Instituto de Investigaciones Estéticas, 70, 1997, S. 45-76.
Sergi D. Garcia: La imagen de la mujer del apocalipsis en Nuva Espana y sus implicaiones culturales, Valencia 2013.
Claus Bernet: Latein- und Südamerika, Norderstedt 2016 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 39). 

 

Von dem Gemälde wurde kurz darauf eine Variante angefertigt. In der römich-katholischen Franziskanerkirche San Diego in der mexikanischen Stadt Guanajuato befindet sich in der Sakristei das Ölgemälde „La Inmaculada como la Jerusalén celeste“. Es hat die Größe von 550 x 300 Zentimeter. Ein unbekannter Meister hat es im frühen 18. Jh. geschaffen, sicher unter spanischem Einfluss, mglw. von José Rodríguez Carnero, der die Tore der Stadt, angeordnet in Dreiergruppen, hier offen gehalten hat, so dass man sehen kann, wie der blaue Himmel durchscheint. Da die Marienfigur hier etwas höher gesetzt ist, war in der Stadt Platz für das Lamm Gottes, von dem die ganze Stadt bestrahlt wird.

Antonio Rubial Garcia: Civitas Dei et novus orbis, in: Anales del Instituto de Investigaciones Estéticas, 72, 20, 1998, S. 5-37.
Jaime Cuadriello: The theopolítical visualization of the Virgin of the Immaculate Conception, in: Ronda Kasl (Hrsg.): Sacred Spain, Indianapolis 2009, S. 121-145.
Rafael Garcia Mahiques: La Jerusalén celeste como símbolo de la iglesia, in: Víctor Minguez u.a (Hrsg.): El sueño de Eneas, Castellón de la Plana 2009, S. 19-44.
Sergi Doménech Garcia: La imagen de la mujer del apocalipsis en Nueva Espana y sus implicaiones culturales, Valencia 2013.

 

tags: Maria Immaculata, Civitas Dei, Gold, Mexiko, Neuspanien, Barock, Franziskaner, Kloster, Enrique T. L. Biosca, Porta Coeli, Puebla, Mexiko, Verschmutzung
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