Clarence Larkin (1850-1924): Bilderbibel (1918)

Die Bilderbibel von Clarence Larkin (1850-1924) zeigt den langen Weg in die Stadt (S. 222). Der Amerikaner Clarence Larkin (1850-1924) arbeitete nach seiner Bekehrung zum Christentum im Alter von 19 Jahren in einer Bank. Mit 21 studierte er und wurde Blindenlehrer, konnte seine Arbeit jedoch wegen gesundheitlicher Schwierigkeiten nicht ausüben. Nach einigen Jahren unter den Episkopalen schloss er sich 1882 den Baptisten an und wurde zum Prediger ordiniert. Seine Gemeinden waren zunächst in Kennett Square, dann in Fox Chase, die beide in Pennsylvania liegen.

Mehr und mehr wurde er zum Prämillenniaristen. Um seine Predigten zu untermalen, fertigte er große Wandbilder an, die er „Prophetic Truth“ nannte. Seine ungewöhnlichen Unterrichtungen kamen gut an und er wurde bald Lehrer an zwei Bibelschulen. Während dieser Zeit verfasste er einige prophetische Traktate, die auf große Nachfrage stießen und bald auch von seinen Kollegen benutzt wurden. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, fertigte er die Schrift „Dispensational Truth“ (oder „God’s Plan and Purpose in the Ages“) an, die zahlreiche seiner Bildtafeln enthalten. Drei Jahre hatte er daran gearbeitet und veröffentlichte das Werk erstmals 1918. Larkin hatte etwas geschaffen, was dem Zeitbedürfnis entsprach – „Dispensational Truth“ wurde ein großer Erfolg und erschien noch 2002 in einer Neubearbeitung. „Dispensational Truth“ war so bedeutend, dass Larkin bis zu seinem Tode 1924 ausschließlich an Neubearbeitungen und Übersetzungen dieses Werkes arbeitete.

Die Schwarz-Weiß-Tafeln in „Dispensational Truth“ präsentieren das Himmlische Jerusalem oftmals; einmal großformatig am Ende der Heilsgeschichte (S. 222, oben wiedergegeben) und davor in Varianten, die auf drei Grundtypen basieren und vielfach auf den Tafeln zu finden sind (so auf S. 17, 19, zwei Mal auf S. 33, zwei Mal auf S. 66, 67, 71, 89, 127, 135, 137, 157, 195, 229 und schließlich ein letztes Mal auf S. 257). Was auf S. 222 wie eine breite gerade Autostraße bis an den fernen Horizont aussieht, ist in Wirklichkeit nur eine Seite des Himmlischen Jerusalem, die tief in die innere Stadt führt. In der Mitte ist ein Kanal gelegt, an dessen Seite die Geretteten flanieren. Er endet an einem erhöhten Strahlennimbus, der über die Stadt leuchtet. Die eigentliche Stadt ist eine riesige amerikanische Einzelhaussiedlung mit kleinen Parzellen, individuellen Häuschen und immer wieder Büschen und Bäumen. Die gewaltige Mauer, die diese Siedlung umgibt, ist mit aufschlussreichen Bildbeschriftungen versehen. Auf dem Fundament sind die Namen der Apostel geschrieben, auf der sichtbaren Seite Peter, Jakobus der Ältere und Johannes. Die darauf gesetzte Mauer besteht aus Edelstein, nämlich Jaspis. Die Tore sind mit den zwölf Stämmen Israels belegt. Diese Heilstopographie ist der eigentliche Schutz der Stadt. In ihrem klassizistischen Aufbau erinnert die Mauer an die Friedhofsmauer von San Michele, die 1838 auf einer unbewohnten Insel in der Lagune zwischen Venedig und Murano errichtet wurde.

Clarence Larkin: Dispensational truth or God’s plan and purpose in the ages, Santa Fe 2002.

 

                                                               Seiten 66, 71 und 157

Drei weitere Varianten der Stadt aus der Bilderbibel (S. 66, 71 und 157). Es sind unscharfe, kleine Beizeichnungen von wenigen Zentimetern, die künstlerisch keinesfalls an die Hauptzeichnung herankommen. Sie dienen vielmehr dazu, bestimmte theologische Aspekte der Eschatologie Larkins näher zu bestimmen.

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