Suche
Close this search box.

Fresko aus Östra Herrestad (1475-1500)

Aus der Zeit zwischen 1475 und 1500 stammen die Wandmalereien in der Kirche Östra Herrestad in Skåne (Schweden), die eine lokale Werkstätte vor Ort ausführte. Wie so oft in Skandinavien, wurden die Malereien dann im 18. Jahrhundert überstrichen, im späten 19. Jahrhundert wiederentdeckt und, dem Zeitgeschmack und dem damaligen Forschungsstand entsprechend, mit kräftigen Farben versehen, in Teilen rekonstruiert. Die Farben sind deswegen kräftig und flächig, da man bei Rekonstruktionen zwar die Umrisszeichnungen aufspüren kann, die feinen Binnenzeichnungen des Originals jedoch meist verloren sind und man bei der Neubemalung jetzt die Reste der Umrisszeichnung für das gesamte Objekt nimmt. Ein Beispiel: Bei den fünf Fenstern im Mittelteil hat man in der Umrisszeichnung Reste von Grün gefunden, was vielleicht lediglich einen Bewuchs der Fensterbank oder das Glas der Butzenscheiben markierte – aus der Not heraus hat man einfach alle Fenster komplett in einen Grünton getaucht. 
Die Ausgestaltung des Himmlischen Jerusalem orientiert sich an dem mindestens zwei Generationen zuvor entstandenem Jerusalem in der Fulltofta-Kirche. Eine Architekturagglomeration von eng aneinander gesetzten Bauteilen vereinigt von links nach rechts einen spitzen Kirchenturm, einen Tabernakel und den auf vielen ähnlichen Darstellungen in Schweden zu findenden massiven Rundturm mit drei markanten Zinnen, der gleichzeitig das Tor trägt, welches unten Petrus aufschließt. Im Falle von Östra Herrestad ist es eine Pforte mit auffälligen schmiedeeisernen Beschlägen, die Festigkeit und vor allem Sicherheit vermitteln sollen. Nur zwei Gerettete scheinen sich eingefunden zu haben, Repräsentanten der geistlichen und weltlichen Gewalt. Davon abgesetzt knien rechts oben einige Adoranten in einfacher Kleidung. Unter der Himmelsburg, wie dieser Darstellungstypus im Schwedischen genannt wird, findet man einen Drachen, der von einem Ritter zu Pferde in Schacht gehalten wird – es ist die „Bindung Satans“ auf tausend Jahre (Johannesoffenbarung Kap. 20), die also schon lange vor Dürer in einem Bild mit dem Himmlischen Jerusalem vereint wurde.

Siegrun Fernlund: Kyrkor i Skåne – en kulturhistoria, Lund 1980.
Claus Bernet: Das Neue Jerusalem in Skandinavien, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 23).

 

tags: Fresko, Skåne, Schweden, Burg, Gotik, Mittelalter
Share:
error: