Michiel Snyders (um 1588 – um 1630), Jan van der Straet (1523-1605): Maria Immaculata (1611)

Diese Mariensymbole gehören zu einer komplexen Darstellung, die erstmals Hieronymus Wierix entworfen hat. Diese spätere Variante wurde von Michiel Snyders (um 1588 – um 1630) 1611 ausgeführt, unter Beteiligung seines Kollegen Jan van der Straet (Johannes Stradanus, 1523-1605). Zu dieser Zeit lebte und arbeitete van der Straet, der in Brügge das Licht der Welt erblickte, bereits lange in Florenz, hatte aber weiterhin enge Kontakte in seine Heimat. Diese auch für einen Kupferstich äußerst filigrane Fassung wurde vermutlich in den Niederlanden gedruckt, fand dann ihren Weg nach England, wo sie im British Museum aufbewahrt ist (Inventarnummer 1868,0612.393).
Auf dem 20 x 16 cm großen Blatt findet man links der Marienfigur zwei ihrer traditionellen Symbole: oben die Himmelspforte, unten die Stadt Gottes. Die Pforte ist hier unverkennbar geschlossen. Sie wirkt massiv und blockartig, die Voluten an den Seiten erscheinen aufgesetzt. Darunter ist das Goldene Haus gesetzt, wiederum darunter die Gottesstadt. Dieses Mariensymbol ist im Vergleich zu den beiden Symbolen darüber etwas klein und dunkel geraten. Sie macht einen unbelebten Eindruck, man sieht weder Engel noch Gerettete. Das zentrale Eingangstor ist niedrig und klein, die schmalen Fenster der Mauer könnten auch Schießscharten sein. Wie oft auf diesen Darstellungen ragt unter den Bauten ein größerer Kuppelbau hervor. Auf die Beigabe von Bepflanzung im Inneren der Stadt wurde verzichtet, was den sterilen Eindruck befördert.

Huigen Leeflang, Marjolein Leesberg: Johannes Stradanus I-III, Ouderkerk aan den Ijssel 2008 (The New Hollstein Dutch and Flemish Etchings, Engravings and Woodcuts 1450-1700, 19).
Claus Bernet: Maria Immaculata: Das katholische Jerusalem, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 14).

tags: Hieronymus Wierix, Michiel Snyders, Kupferstich, Niederlande, Renaissance, Maria Immaculata, Porta Coeli, Civitas Dei
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