Weltgericht in St. Georg zu Neuenbürg (um 1325)

Die Region um den Schwarzwald wurde erst spät besiedelt und man findet nur selten ältere Kunstwerke mit dem Neuen Jerusalem. Eine Ausnahme befindet sich in der Kirche St. Georg in Neuenbürg. Der Bau wird auch als Schlosskirche bezeichnet, da er auf halber Höhe eines Schlossbergs liegt. Sie ist heute die älteste Kirche der Stadt. Bereits 1894 wurden erste Teile der gotischen Wandmalereien freigelegt. Von 1955 bis 1964 wurde die Kirche umfassend renoviert, wobei weitere Fresken aufgedeckt, restauriert und auch nachkoloriert wurden. An der Westwand fand man jetzt eine Darstellung des Weltgerichts aus der Zeit um 1325. Über dem Triumphbogen zum Chor befindet sich übrigens noch eine zweite Darstellung des Weltgerichts aus der Zeit um 1460, von der sich jedoch die Himmelspforte nicht erhalten hat. Von der Pforte des älteren Freskos sind nur Umrisse erkennbar, so dass sich Vergleiche verbieten. Erkennbar ist die Konzeption eines schmalen, hohen Rundbogens, goldgelb gefasst, mit Petrus davor stehend. Mit einer Hand schließt er die Pforte des Himmels auf, mit der anderen hält er einige Gerettete, um ihnen Mut zuzusprechen. Eine solche Geste ist menschlich, wurde aber im Mittelalter kaum dargestellt, ich kenne sie nur vom Bühler Altar des Schongauer-Nachfolgers.Die Geretteten bilden ein kleines Grüppchen von Standesvertretern, darunter sind auch ein Papst, ein Kardinal, ein Bischof, ein Mönch und eine Frau, möglicherweise eine Nonne. Von Qualität sind die Figuren, deren geschwungene Haltung und übermäßige Schlankheit der gotischen Malweise im 14. Jahrhundert entsprach.

Stadt Neuenbürg (Hrsg.): Heimatbuch Neuenbürg, Neuenbürg 1980.
Tilmann Marstaller, Elke Osterloh: Schloss Neuenbürg, Schwetzingen (2001).

Beitragsbild:  Jacqueline Maltzahn-Redling

tags: Württemberg, Weltgericht, Mittelalter, Gotik
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