Freskomalerei der Martinskirche in Waiblingen-Neustadt (um 1420)

Die evangelische Martinskirche in Neustadt, einem Ortsteil von Waiblingen in Württemberg, ist bekannt für ihre einzigartigen gotischen Seccomalereien. Sie zeigen im Chor der Kirche einen vollständig erhaltenen bedeutenden Marienzyklus auf 143 Quadratmeter Fläche. Daneben gibt es auch noch eine weniger bekannte Weltgerichtsdarstellung der Zeit um 1420, die in Folge der Reformation ab etwa 1750 übertüncht war. Beim Ausbau der Orgel in den Jahren 1954/55 wurden die Malereien wiederentdeckt. Zu dieser Zeit und in den späteren Jahren 1979/81 wurden die Bilder im Chor und ein großer Teil der Bilder im Schiff frei gelegt und nachkoloriert. Bezüglich des Details der Himmelspforte mit Petrus an der Ostwand des Langhauses ist der heutige Zustand fragmentär, so dass es durchaus grenzwertig ist, ihn hier zu präsentieren. Es ist eine zeittypische Darstellung, wie man sie auch von Altären kennt. Man findet eine Torpforte, die im oberen Bereich gotische Schmuckelemente aufweist. Möglicherweise waren weitere Schmuckelemente links außen, wo die Malerei abbricht, verlustig ging oder nicht freigelegt wurde bzw. nicht freigelegt werden konnte. Deutlich hebt sich der gelbe Ton der Tür (entweder der goldene Glanz der Stadt oder lediglich das Holz der Tür?) von der ochsenblutroten Pfortenrahmung ab. Links der Pforte steht eine extrem gebogene Figur, wie man sie oft bei Zeichnungen von Figuren der Gotik findet. Es ist der Heilige Petrus, der sich zu einer Gruppe Geretteter wendet, während er an der gegenüber liegenden Seite die Pforte aufschließt, um die Geretteten in das Himmlische Jerusalem einzulassen.

Gustav Zmaila: Martinskirche Neustadt, Neustadt (1983).
Gustav Zmaila: Das Geschray der stummen Götzen…: das Schicksal der Fresken in der Martinskirche von Neustadt, in: Waiblingen in Vergangenheit und Gegenwart, 11, 1990, S. 73-84. 

tags: Gotik, Weltgericht, Himmelspforte
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