Johannes Beer: Gewinn und Verlust (1634)

„Gewinn und Verlust“ ist eine Schrift, die vermutlich 1634 erschienen ist. Es geht darum, wie man irdische und geistliche Güter gewinnen, aber auch verlieren kann, was anhand einer angeblich erlebten Reise in die Unterwelt dem Leser exemplifiziert wird.
In das Werk ist vor dem Titelblatt ein großer, aufklappbarer Kupferstich eingelegt, dessen linker Ausschnitt das Himmlische Jerusalem zeigt. Die Stadt hat sechzehn Türme; an den vier Ecken Rundtürme und dazwischen je drei Tortürme. Vor jeder Seite steht „HalleluJAH“ geschrieben, und über der Stadt prangen die Worte „HEILIG, HEILIG, HEILIG!“. Darunter finden sich Verweise auf biblische Verse, die die Stadt beschreiben: Jesaja 60, Hesekiel 40, Tobias 13 und Apokalypse 21/22. Im Inneren sind mehrere Häuser zu Stadtteilen zusammengefasst, in der Mitte steht das Gotteslamm mit Siegesfahne auf einem Felsen. Außerhalb der Stadt befindet sich ein weiterer Felsen, von dem aus der Engel dem Johannes die Erscheinung zeigt.
Die vorgeblich autobiographische Schrift des Johannes Beer „Silesius“, eines schlesischen Mystikers, der sich als Schulmeister in Reichenau bei Priebus durchbrachte, wurde Abraham von Franckenberg von einem gewissen J. Springer vermittelt. Franckenberg übersetzte 1624 den lateinischen Text und brachte ihn zum Druck. 1593 geboren schlug Franckenberg zunächst eine juristische und dann theologische Karriere ein, wendete sich aber bald vom verknöcherten Universitätsbetrieb ab. Wendepunkte in seinem Leben markierten seine eigenen mystischen Erscheinungen 1617 und ein Zusammentreffen mit Jakob Böhme (1575-1624), dessen profiliertester Anhänger er wurde. Geld und Ruhm wurden ihm gleich, und er pflegte freiwillig Pestkranke. Zwischenzeitlich zog er sich immer wieder in die Einsamkeit zurück. Nach dem Tode Böhmes gab er dessen Schriften heraus und sorgte somit wesentlich für seine Popularisierung.

Will-Erich Peuckert: Die Rosenkreutzer: Zur Geschichte einer Reformation, Jena 1928.
Theodorus Cornelis van Stockum: Zwischen Jakob Böhme und Johann Scheffler: Abraham von Franckenberg (1593-1652) und Daniel Czepko von Reigersfeld (1605-1660), Amsterdam 1967.
Christoph Geissmar: Das Auge Gottes. Bilder zu Jakob Böhme, Wiesbaden 1993. 

tags: Pietismus, Mystik, Kupferstich, Renaissance,
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