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Erhard Altdorfer: Himmlisches Jerusalem und Binden Satans auf tausend Jahre (1533)

Nachdem Albrecht Dürer 1498 in seinem berühmten Apokalypsezyklus das Neue Jerusalem mit dem Binden Satans für tausend Jahre in einem Bild verknüpft hatte, folgten bald weitere Künstler dieser Kombination in ihren Arbeiten. Freilich ist Jerusalem noch unscheinbar und schemenhaft dargestellt, denn während des Tausendjährigen Reichs befindet es sich quasi im status nascendi. Hier ist Jerusalem zunächst als runder Turm auf einem steilen Berg repräsentiert. An der linken Seite setzen weitere Türme und Bauten an, alle gedrungen, ruinös und kaum, wie man sich eine prächtige Stadt vorstellt. Hauptthema des Bildes ist ansonsten, wie im Vordergrund ein Engel den Satan auf tausend Jahre verbannt. Er ist hier mit einem Schlüssel dargestellt, ganz ähnlich wie in der berühmten Ottheinrich-Bibel.
Der Holzschnitt ziert die Eröffnung des 20. Kapitels der Johannesoffenbarung (fol. +iiiv) einer niederdeutschen Bibelausgabe von 1533 (1534), nämlich: „De Biblie vth der vthlegginge Doctoris Martini Luthers yn dyth düdesche vlitich vthgesettet mit sundergen vnderrichtingen alse men seen mach“ samt einem Kommentar des Reformators Johannes Bugenhagen. Gedruckt wurde sie in Lübeck. Die 79 Illustrationen, die in manchen Ausgaben auch handkoloriert sind, steuerte der Grafiker und Zeichner Erhard Altdorfer (ca. 1480 – nach 1561) bei, der zu dieser Zeit in Schwerin Hofmaler war. Unter anderem wegen dieser Bibelillustrationen wurde ihm 1537 vom Herzog von Schwerin ein Haus geschenkt.

Walther Jürgens: Erhard Altdorfer. Seine Werke und seine Bedeutung für die Bibelillustration des 16. Jahrhunderts, Lübeck 1931.
Katharina Packpfeiffer: Studien zu Erhard Altdorfer, Wien 1974.
Andrej Viktorovič Gamlickij u.a.: Drevnjaja Rusʹ i Zapad: russkij, licevoj Apokalipsis XVI-XVII vekov, Moskau 2018.

 

tags: Reformation, Bibelausgabe, Holzschnitt, Albrecht Dürer, Lübeck, Ruine
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