Charles Eyck (1897-1983): Reformierte Kirche von Ginneken (1965)

Im niederländischen Ginneken bei Breda (Provinz Noord-Brabant) befindet sich die reformierte NH-Kerk mit dem Namen Laurentiuskirche. Nur wenige Meter weiter trägt die römisch-katholische Kirche (Ginnekenweg) den gleichen Namen, was zu vielfältigen Verwechslungen führt. Zudem besitzen beide mittelalterliche Kirchen ein Kunstwerk mit dem Himmlischen Jerusalem.
In der reformierten Laurentiuskirche ist ein ganzes Glasfenster dem Himmlischen Jerusalem gewidmet (südliches Querschiff). Es handelt sich um vier schmale Bahnen mit einem Tondo als Abschluss.

Unten ist das Thema das letzte Abendmahl, oben das jüngste Gericht mit Christus als Weltenrichter dargestellt. Unter ihm, etwa mittig links, sind Bewohner und Bauten der Himmelsstadt eingefügt, aber keine beengenden, aber auch keine schützenden Stadtmauern.

In einem farbenfrohen Häusermeer (überraschend ähnlich wie Christian K. Witmyers Zweiwegebild von um 1890) findet man die zwölf Apostelnamen eingeschrieben, stets über einem der Stadttore. Die Häuser dazwischen sind rechteckige Blöcke mit Fenstern, Torbögen, Galerien. Jeder Block hat eine eigene Farbe, überwiegend sind es verschiedene Rottöne, auch Neongelb, Pink, dann, überwiegend im unteren Bereich, Weiß und Beige. Im unteren Bereich findet man auch das Lamm Gottes mit einer weißen Siegesfahne, umkreist von zahlreichen Erlösten. Im Jahr 1965 wurde die Verglasung hergestellt, von dem Künstler Charles Eyck (1897-1983).

Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Teil 3, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 26).
Christiaan Bronoord: Laurentiuskerk. De verzamelde geschiedenis, o.O., um 2020.
Christiaan Bronoord: Laurentiuskerk Ginneken. Wandelen door de tijd, o.O. 2022.

Zum Künstler:

Charles Eyck, geboren am 24. März 1897, arbeitete zunächst als Keramikmaler in der Fabrik Céramique in Maastricht. Erst als er sich eine Ausbildung finanzieren konnte, begann er ein Studium der monumentalen Kunst, wie Wandmalerei und Glasmalerei, an der Reichsakademie in Amsterdam. 1922 gewann er dort den Prix de Rome. Nach kurzen Aufenthalten in Schweden, Curaçao, Südfrankreich, Amsterdam, Clamart (bei Paris) und Utrecht ließ er sich in Schimmert nieder, einem Dorf in Südlimburg. Seine bekanntesten, da öffentlich zugänglichen Arbeiten sind die Statue „Verkehr“ in der Bahnhofshalle von Utrecht (1939), das Limburger Befreiungsdenkmal auf dem Koningsplein in Maastricht (1952) und die Glasfenster für die Jozef Arbeiderkerk in Meerssen (1958).
Zunächst war seine Arbeit im Design expressionistisch. Später wurde er dafür kritisiert, dass er an einem mehr oder weniger konsequenten religiösen Stil festhielt. Auch wegen dieser Kritik und seiner zunehmenden Taubheit lebte er immer mehr zurückgezogen in dem von ihm selbst entworfenen Haus „Ravensbos“ in Schimmert. Nach der Enthüllung des Befreiungsfensters in der Sint-Janskerk in Gouda (1947) wurde Eyck der Orden von Oranien-Nassau überreicht. Fast zwanzig Jahre später gab er diesen Orden zurück, weil er der Heirat zwischen Prinzessin Beatrix und Claus von Amsberg nicht zustimmen konnte. Charles Eyck starb im Alter von 86 Jahren am 2. August 1983.

 

tags: Niederlande, Bauklötzchen, Monumentalfenster
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