Das Renaissanceschloss Etelan liegt hoch über dem Fluss Seine, umgeben von einem 25 Hektar großen Park. In der Literatur, der wissenschaftlichen Erforschung und im Tourismus steht das Schloss mit seiner wechselhaften Geschichte ganz im Mittelpunkt, während über die angrenzende Schlosskapelle weniger bekannt ist. Das heutige Schloss entstand im Flamboyant-Stil und gilt als eines der ersten Schlösser der Renaissance, nicht nur der Normandie, sondern von ganz Frankreich. Bedeutende Persönlichkeiten ihrer Zeit haben sie besucht, etwa Katharina von Medici, König Charles IX., Voltaire, Eugène Viollet-le-Duc, Gustave Eiffel. Die Kapelle im Ostflügel grenzt direkt an das Schloss an und kann auch vom dortigen Hauptsaal betreten werden.

Gewidmet wurde die Kapelle der Heiligen Magdalena (Madeleine). Die letzte große Restaurierung, bei der Veränderungen der späteren Jahre wieder Rückgängig gemacht wurden und, wo immer möglich, man die Renaissance wieder sichtbar machen wollte, dauerte über fast vierzig Jahre bis 1994, also Abgeschlossen zum fünfhundertjährigen Jubiläum der Erbauung 1494.
Das große Lazettenfenster hinter dem Altar, das bis fast an die Decke reicht, machte die klassische Darstellung eines Weltgerichts unmöglich. So hat man sich entschieden, das Erscheinen Christi auf einem Regenbogen, die Auferstehung von den Toten und das Gericht auf die linke, „gute“ Seite zu packen, während auf der rechten Seite nicht Teufel und die Hölle, sondern das Himmlische Jerusalem dargestellt ist.

Die äußere Gestalt der Stadt ist abwechslungsreich und fantasiereich. So findet man unten einen prächtigen Wimperg, darüber drei Türme. Auf Abwechslung wurde Wert gelegt: Links wurde ein geschwungenes pagodenähnliches Dach eingesetzt, das mit einem Knauf endet. Der angrenzende Hauptturm ähnelt einem filigranen Springbrunnen, überzogen mit Rankenwerk, Putten, schmalen Säulen. Der Turm der rechten Seite wirkt hingegen massiv und wehrhaft, ihm wurde ein weiterer kleinerer Turm aufgesetzt, der von zahlreichen Giebelhäusern umzogen ist. Hinter ihm scheint sich rechts sein Schatten oder sogar ein vierter Turm zu befinden. Zwar wissen wir nicht einen einzigen Namen von Künstlern der Erstausstattung, doch aufgrund der finanziellen Möglichkeiten und regionaler Vernetzung der Erbauer dürfte feststehen, dass hier nur ausgebildete Fachkräfte mit einer gewissen Erfahrung tätig waren. In Frage kämen Handwerker aus Rouen oder/und Clères – so schätzt es der heutige Eigentümer Marc Boudier ein, mit dem ich im Sommer 2026 die Kapelle besichtigen durfte.
Philippe Seydoux: Châteaux du Pays de Caux et du Pays de Bray, Paris 1987 (2).
Xavier Pagazani: La demeure noble en Haute-Normandie, 1450-1600, Tours 2014.



