Eva Limberg (1919-2013): Schmuckkreuz der Salemskirche in Tarmstedt (1969)

Anfang der 1960er Jahre hatte Eva Limberg (1919-2013) das Altarmosaik für die evangelische Kirche in Diekholzen geschaffen: Zwölf Tore, die (ohne Stadtmauern) um das Lamm in der Mitte frei im Raum schweben. 1967 wurde ein ganz ähnlicher Entwurf für die evangelische Kirche in Tarmstedt eingereicht, ein ländlicher Ort unweit von Bremen in Niedersachsen. Der wesentliche Unterschied zu Diekholzen waren hauptsächlich die Strahlen um das Lamm, die hier weit in den Raum ausgegriffen hätten. Entweder die Gemeinde wünschte sich ausdrücklich eine solche Gestaltung wie in Diekholzen, oder die Künstlerin hatte aus Gründen der Arbeitsökonomie versucht, eine Kopie anzubieten, vielleicht auch zu einem ermäßigten Kostensatz. Gesichert ist allein, dass dieser erste Entwurf als Sgraffito nicht umgesetzt wurde. Noch im gleichen Jahr wurde ein weiterer Entwurf von der Künstlerin eingereicht, diesmal eine Farbskizze: wieder das Neue Jerusalem, aber in einer ganz anderen Darstellungsweise.

Diesmal sollte es ein Schmuckkreuz werden: in der Mitte das Lamm, mit dem roten Buch des Lebens. Anders als noch im Entwurf ähnelt das Buch in der Ausführung einem kleinen Haus mit Satteldach. Schräg gegenüber hat die Künstlerin ein stilisiertes Christogramm, das Chi-Rho, hinzugesetzt, auch als kompositorisches Gegengewicht. An den vier Seiten des Kreuzes reihen sich jeweils drei blockartige Tore aneinander, blaugrüne Bögen auf grauem Mauerwerk mit einer Zinnenbekrönung vor vergoldetem Hintergrund. Dieser Entwurf wurde als eisengefasstes Glasmosaikkreuz der Größe 2,2 x 2,7 Meter umgesetzt. Es ist in der Kirche das zentrale permanente Kunstwerk im Innenraum, wo das Objekt nicht nur als Schmuck, sondern auch als Wandkreuz gesehen wird, neuerdings auch als Altarkreuz, nachdem ein ursprüngliches Altarkreuz aus Messing nicht länger Verwendung findet.

Der Name der Kirche, Salemenskirche, leitet sich primär vom hebräischen Wort Schalom ab und bedeutet „Frieden“. Die biblische Urform wird traditionell eng mit dem Namen der Stadt Jerusalem verknüpft. Angeblich soll der Name der Kirche dazu angeregt haben, dieses Motiv auch bildlich aufzugreifen. Limberg hat in ihrem Schaffen öfters Werke für Kirchen der Selbstständig-Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) ausgeführt, vermutlich gab es auch in Tarmstedt diesbezügliche Kontakte. Die Backsteinkirche in Tarmstedt ist eine der wenigen, die von Anbeginn an als Gottesdienstort der SELK geplant und gebaut worden war. Von 1966 bis 1968 wurde der Saalbau um ein Joch erweitert. Abschluss der Erweiterung war die Montage des Kreuzes 1969 auf die lediglich geweißte Backsteinwand an der Ostseite, zusammen mit dem Altar und dem einstigen Altarkreuz von der gleichen Künstlerin.

Martin Rothfuchs: Salems-Kirche erklärt, Tarmstedt 2013.
Hans Schumacher, Lothar Schröder: Eva Limberg, 1919-2013, Bielefeld 2014.

 

tags: Niedersachsen, Mosaik, Schmuckkreuz
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