Marc de Klijn (geb. 1939): Gemälde in der Kirche „Open Hof“ in Kampen (1994)

Die protestantische Kirche „Open Hof“ in Kampen (Provinz Overijssel, Niederlande) ist tatsächlich rund um die Uhr geöffnet. Nächtliche Gäste müssen allerdings kurz warten, bevor sie eingelassen werden. Eine weitere Besonderheit dieser Kirche ist, dass hier eine Flüchtlingsfamilie Kirchenasyl gefunden hat, die über Monate nicht die Räumlichkeiten verlassen haben, um nicht von der Polizei abgeschoben zu werden – damit ist die Kirche international in die Schlagzeilen geraten.
Die wenigen Gemälde im Inneren der ansonsten nüchtern gehaltenen Ausstattung passen durchaus zu dieser Thematik, kamen aber lange vor der Flüchtlingsfamilie in die Kirche. Seit über dreißig Jahren hängen sieben Gemälde im Stil von Milton Avery zum Thema „Fremde“ an der westlichen Wandseite rechts vor dem Altar, direkt gegenüber der Fensterfront, die für optimale Beleuchtung sorgt. Sie waren 1994 zur Fastenzeit geschaffen worden, als die Morgengottesdienste unter dem Motto „Fremde“ standen.

Der Zyklus ist ein Werk von Marc de Klijn (geb. 1939). Als Kind überlebte er den Zweiten Weltkrieg in einem Versteck. Obwohl er in einer jüdischen Familie aufwuchs, gab es zu Hause keinen Platz für den jüdischen Glauben oder die Religion im Allgemeinen. Entfremdet von seinen jüdischen Wurzeln, entdeckte er durch L’Abri die Bibel und fand 1970 zum Glauben. Als Grafiker arbeitete er zunächst für verschiedene Verlage. Nach einer Weiterbildung in Zeichnung und Malerei begann er 1979 an der Kunstakademie CABK in Kampen zu unterrichten. 2013 wanderte Marc de Klijn mit seiner Frau nach Israel aus, wo sie in der Nähe von Jerusalem leben.
Der Künstler aus Kampen war von der Gemeinde beauftragt worden, den Zyklus während der Fastenzeit zu schaffen. Rückblickend erklärte er mit 86 Lebensjahren: „Mit diesen Gemälden wollte ich sagen: Gastfreundschaft wird jedem zuteil, der nackt, krank, unterernährt, verletzt oder anderweitig auf Nächstenliebe und Fürsorge angewiesen ist. Ich finde es besonders, dass die Kirche Open Hof dies ermöglicht. Es ist die Erfüllung von Jesaja 56 und 58, aus denen ich weiterhin schließe, dass Gläubige nicht zur Frömmigkeit und Religiosität berufen sind, sondern vor allem dazu, die Ketten zu sprengen, die die Menschen fesseln sowie Licht und Wärme zu verbreiten und den Menschen Geborgenheit und Sicherheit zu geben“.

Das fünfte von sieben Gemälden hat zum Thema „Über das Volk Gottes, das eine große Verheißung trägt: Fremde auf Erden auf dem Weg zum himmlischen Jerusalem“, nach Hebräer Kapitel 11, Vers 8-16. Im Zentrum kniet ein Mensch nieder. Nach Auskunft des Künstlers soll dies der „Mensch an sich, ohne Alter, Geschlecht oder Hautfarbe“ sein. Seine zerschlissene Kleidung soll das Brüchige und Ungewisse des menschlichen Lebens andeuten. Doch jeder Mensch benötigt Hoffnung, die hier zwischen den Wolken über dem Haupt des Menschen erscheint. Ein Band unterschiedlicher Farben verweist auf das Edelsteinfundament der Stadt; die Form der Pyramide greift eine seiner möglichen Erscheinungsformen auf.

 

tags: Niederlande, Fremde, Pyramide, Edelsteinfundament, Hebräerbrief
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