Was das Himmlische Jerusalem angeht, ist dieses Malerei eine interessante Fassung, deren Anlage, geschweige denn Aussage, man erst Stück für Stück zu fassen vermag. Im mittleren Bildfeld erscheint eine exzellent ausgearbeitete Madonna im blau-roten Sternengewand, die auf einer Mondsichel schwebt. Um sie sind fast zwanzig ihrer Symbole gelegt, alle mit Gold akzentuiert. Allein das mehrköpfige Fabelwesen in der Ecke rechts unten (vgl. Johann Georg Tibianus) ist ohne Gold: Hier handelt es sich nicht um ein Mariensymbol, sondern um den Drachen, der meist direkt unter den Füßen Mariens positioniert ist . Die lateinischen Beschriftungen, die ansonsten solche Malereien erklären, fehlen hier, wir werden später verstehen, warum. In der Ecke links oben befindet sich die Himmelspforte mit einem vergoldeten Tor. Drei Symbole unter ihr steht die Gottesstadt, eine leider kaum sichtbare Konglomeration von Bauten hinter einer Stadtmauer. Die Mauer hat links einen einfachen Zugang, und rechts stehen die vergoldeten Buchstaben IHS mit einem aufgesetztem Kreuz, also das Nomen sacrum, welches in sich den Namen Jesu trägt. Eine solche Aufschrift ist mir bei der Civitas Dei von keiner anderen neuspanischen Malerei der gesamten Frühen Neuzeit bekannt.

Um das Bild sind siebenundzwanzig weitere Mariensymbole gruppiert, jeweils in ein kleines Kästchen, diesmal mit lateinischer Beschriftung. Obwohl der unbekannte Künstler durchaus die Möglichkeit gehabt hätte, immer neue Symbole zu bringen, konzentriert er sich auf die populären Symbole, die bereits auf dem inneren Bild Thema waren und bringt sie einfach nochmal, jedoch in einer anderen Form und für Fassungen der Maria Immaculata untypisch. Zunächst findet sich oben links die „Pverta del Cielo“, also eine zweite Himmelspforte. Diesmal ist es ein mächtiges Stadttor oder Triumphbogen mit zwei identischen Seitentürmen, wobei der rechte leider stark beschädigt ist. Das nächste Symbol darunter ist die „Cividad de Dios“, in Form eines Kastens (oder Schuhkartons), mit jeweils drei Toren an einer Seite. Der Blickpunkt ist leicht erhöht, so dass man in das Gewirr der Häuser und Straßen sehen kann. Beide Symbole, wie übrigens alle des äußeren Rahmens, kommen ohne Vergoldung aus.
Die Malerei entstand vermutlich in Neuspanien. Inspiriert war sie von zeitgenössischen Drucken. Diese hatte der Maler entweder in Europa gesehen, oder einzelne Blätter waren nach Neuspanien gelangt. Die Konzeption findet sich frühestens bei Diego Gómez (1601), dürfte aber wegen ihrer geringen Bekanntheit als Vorlage kaum in Frage kommen. Populärer waren Kupferstiche wie die „Litaniae Singulis“ von Raphael Sadeler d. J. (um 1602), die bereits immerhin 15 äußere Kastenbilder präsentiert, oder die Immaculata des Hieronymus Wierix (vor 1604) mit bereits zweiundzwanzig Kastenbildern, aber einer Binnenzeichnung, die hier nicht verfolgt wurde. Ebenso könnte die Fassung von Pierre Firens Penta (um 1610) als Anregung gedient haben, oder eine Mischung verschiedener dieser Stiche. Letztlich ist mit dieser Malerei, soweit bekannt, in Neuspanien um 1620 die erste Fassung dieses Bildtyps in Öl umgesetzt worden.


