Pedro de Villafranca y Malagón (circa 1615-1684): Marienerscheinung von Alcantara (um 1675)

Bei diesem Kupferstich, der die Lauretanische Litanei zeigt, handelt es sich um eine Arbeit von de Villafranca – so ist es auf dem Frontispiz unten rechts in Latein angegeben. Man findet diesen Stich in der „Bullarium Ordinis Militiae de Alcantara“, welche von Ignacio José Ortega y Cotes, Pedro Ortega Zuñiga y Aranda und José Fernández de Brizuela 1759 in Madrid herausgebracht wurde. Kurz darauf, 1761, schmückt der gleiche Kupferstich auch das Werk „Bullarium ordinis militiae de Calatrava“.

Zwischen dem Frontispiz und dem Inhalt des militärgeschichtlichen Werkes besteht kein direkter Zusammenhang, sondern die Szene bezieht sich auf ein Ereignis aus dem Jahr 1653. Damals sollen einige Ritter eine Marienerscheinung erlebt haben, die dann einen Eid leisteten, ihr weiteres Leben Maria und der Verbreitung des (römisch-katholischen) Glaubens zu widmen. „Maria veri praevia luminis mane preclarissimum illuxit“ ist unter dem Mond zu lesen: „Maria, die Vorläuferin des wahren Lichts, hat den strahlendsten Morgen eröffnet“. Darunter finden man eine bergige Landschaft, links ein Heer mit Reitern, teilweise in Ritterrüstung. Dort ist zu lesen: „Omnes tenentes gladios, et ad bella doctissimi“, also ein Zitat aus dem Hohelied Salomos (Canticum Canticorum), Kapitel 3, Vers 8. Für diese Soldaten ist Maria zum Schutz und zur Hoffnung beigegeben. Von ihren einst zahlreichen Symbolen sind eigentlich nur noch die Himmelspforte (links) und die Himmelstreppe (rechts) übrig geblieben, was noch einmal die hohe Bedeutung der Pforte als Symbol des Neuen Jerusalem verweist.
Es ist bemerkenswert, dass hier, bei Drucken von 1759 und 1761, auf eine ältere Darstellung von Pedro de Villafranca zurückgegriffen wurde, der von etwa 1615 bis 1684 gelebt hat. De Villafranca ist hier als königlicher Kupferstecher bezeichnet: 1654 war er zum Hofdrucker des spanischen Königs ernannt worden – eine während der Herrschaft Philipps IV. einzigartige Position. Neben Porträts des Monarchen und der königlichen Familie schuf de Villafranca über dreihundert Kupferstiche, hauptsächlich als Buchillustrationen, und arbeitete parallel als Maler, Restaurator, Gutachter und Projektmanager – Aktivitäten, die seinen Überlebenswillen in der hart umkämpften Kunstwelt Madrids widerspiegeln. Von de Villafranca ist, was das Neue Jerusalem angeht, vor allem „Mystica Ciudad de Dios“ (1668 und Folgeauflagen) bekannt. Dieser Kupferstich zu Maria ist etwas später, um 1675, entsanden; seine Größe ist 26 x 17 Zentimeter.

José Luis Barrio Moya: Pedro de Villafranca y Malagón, pintor y grabador manchego del siglo XVII, in: Cuadernos de Estudios Manchegos, 13, 1982, S. 107-122.
Clemente Barrena, Javier Blas, Juan Carrete, José Miguel Medrano: Calcografía Nacional. Catálogo general, Madrid 2004.
Renaissance to Goya. Prints and drawings from Spain, London 2012.
Mark McDonald: Pedro de Villafranca. Printmaker at the court of Philip IV., Madrid 2025.

 

tags: Hohelied Salomo, Maria Immaculata, Lauretanische Litanei, Spanien
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