Emil Wachter (1921-2012): Wandfresko in Rickenbach (1986)

Der Karlsruher Künstler Emil Wachter (1921-2012) hatte in der römisch-katholischen Kirche von Rickenbach im Hotzenwald (Südschwarzwald) nicht allein die Glasfenster gestaltet, sondern er übernahm auch umfassende Freskierungen an verschiedenen Wandbereichen der Kirche. Seitdem ist der neoromanische Bau aus dem 19. Jahrhundert vor allem für Wachters Kunstwerke überregional bekannt.

Besonders eindrucksvoll ist selbstverständlich die Ausmalung im Altarbereich, die sich in der gesamten Breite vom Boden bis zur Decke zieht. Dass nach der Fertigstellung der Fenster dieser Kirche erneut auf Wachter zurückgegriffen wurde, sagt zweierlei: Erstens war die Gemeinde mit den Fenstern zufrieden, ansonsten hätte es keinen Neuauftrag gegeben. Zweitens war auch der Künstler gerne in Rickenbach tätig, denn Mitte der 1980er Jahre war der Wachter ein etablierter Sakralkünstler, der sich vor Aufträgen kaum retten konnte. Die Beziehung nach Rickenbach geht sogar bis 1958 zurück, als Wachter die Hauskapelle des örtlichen Kinderheims mit Farbfenstern ausstattet, dort aber noch ohne Himmlisches Jerusalem.
Malereien mit dem Himmlischen Jerusalem waren bei Wachter etwas Neues, ähnliche Malereien in Ettlingen (1988) oder in St. Philippus/München (1991) entstanden erst nach Rickenbach. In der Kirche mit dem seltenen Namen St. Gordian und Epimachus dominieren die Farben Rot und vor allem Blau auf ockerfarbenem Grund, der an Gold angelehnt ist.

Unten findet man Szenen aus dem Alten Testament, von links nach rechts die Paradiesvertreibung, Abrahams beinahige Opferung, Jonas im Bauch des Fisches. In einer mittleren Zone ist die irische Welt eingezeichnet, u.a. mit einem Institut für Gentechnologie und einem Kernkraftwerk, die Wachter als menschliches Hybris (vor?)schnell kritisierte und auch ablehnte, was damals dem Zeitgeistes entsprach. Darüber erhebt sich in einer dritten Zone das Himmlische Jerusalem, in nicht gerade oft vorzufindender Form: Wachter packte ein Rechteck (kein Quadrat) in ein längsseitiges Oval. In einem zweiten Oval findet sich im Zentrum das Lamm. Mit einem in ihm steckendem Messer und rotem Blut ist es dramatisch als Opferlamm gekennzeichnet, nicht so sehr als Auferstehungslamm. Von ihm gehen vier Steifen aus, die direkt in die Ecken des Rechtecks führen. Dies könnte Licht genausogut wie die vier Paradiesflüsse darstellen, im Kontext des Himmlischen Jerusalem dann als Fluss oder Wasser des Lebens. Auch zahlreiche Häuser kann man finden; Wachter hat sie in das goldfarbene Band gesetzt, die das Rechteck umzieht. Dort sind auch die zwölf Tore, in Dreiergruppe zusammengepackt.

Rudolf Schiffer: Die Kirche von Rickenbach. Sakrales Kleinod im Hotzenwald, in: Regio-Magazin, 7, 5, 1990, S. 8-11.
Georg Keller (Bearb.): Heilsgeschichte in Bildern, Pfarrkirche Rickenbach, Rickenbach 1998.

 

tags: Emil Wachter, Schwarzwald, Zeitkritik, Altarmalerei
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