Han Bijvoet (1897-1975): Fresko aus Onze Lieve Vrouw ter Nood in Heiloo (1930)
Heiloo ist ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf im Nordwesten der Niederlande in der Provinz Nordholland. Wenige Kilometer südlich der Ortschaft liegt eine Quelle, die schon in vorchristlicher Zeit als heiliger Ort galt. Dort steht jetzt die Kapelle Onze-Lieve-Vrouwe ter Nood („Unsere Liebe Frau zur Not“), zu der mehrmals im Jahr römisch-katholische Wallfahrten zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria stattfinden. In dem Gotteshaus entdeckt man an der Wand über dem Chor eine Wandmalerei, die das ewige Abendmahl zum Thema hat. Sie stammt von dem Glaskünstler und Maler Han Bijvoet (Henricus Alphonsus Bijvoet, 1897-1975) aus dem Jahr 1930 und wurde Anfang 2006 umfänglich restauriert, so dass die hellen Pastellfarben wieder wie ursprünglich leuchten. Betritt man die Kirche von Westen, so blickt man zunächst auf die zahlreichen Heiligen im unteren Bereich, was wie eine Erweiterung der Gemeinde im Kirchenraum wirkt.

Die himmlische Welt ist noch durch einen Kronleuchter und einen breiten Gurtbogen verdeckt. Tritt man näher, erscheint oben eine männliche Figur mit Krone, welche dem Betrachter frontal gegenüber gestellt ist. Auf Grund des Alters und des Bartes stellt sie vermutlich Gottvater dar. Die Figur hat an einem Tisch Platz genommen und streckt die Hände zu Brot (links) und Wein (bzw. Weintrauben, rechts), was das christliche Abendmahl symbolisiert.

Assistiert wird Gott von zwei mächtigen Engeln mit ausladenden Flügeln. Direkt über den Engeln ist ein Teil des Himmlischen Jerusalem eingefügt. Dort findet man vor allem sakrale Bauten der Ost- und der Westkirche vereint, fast alle mit Kreuzen versehen. Die komplett vergoldeten Sakralbauten befinden sich direkt über den Flügeln der Engel und ziehen sich an einem Hügel über einem See entlang. Auch einige Wohnbauten kann man ausfindig machen, die jedoch nicht vergoldet sind, etwa an der rechten Seite im Hintergrund über dem Wasser. An den beiden oberen Seiten des Dreiecks ziehen sich die Bauten weiter nach unten. Turm reiht sich an Turm, die singulär in der Landschaft stehen, nicht durch Mauern verbunden sind. Die gesamte Architektur bildet eine Art schützenden Rahmen um das zentrale Ereignis im Innenbereich: Christus und Maria empfangen Männer wie Frauen, die über eine Treppe von unten kommen, zum Abendmahl. Die imposante Wandmalerei, die sich an den übrigen drei Seiten der Kirche noch weiter fortsetzt, lässt noch den speziell niederländisch-belgischen Jugendstil nachklingen. Sie ist ein seltenes Beispiel für Darstellungen des Himmlischen Jerusalem in den 1930er Jahren.
Joan P. H. Bertrand: De Runxputte en Onze Lieve Vrouw ter Nood, Schoorl 1980.
Kapel Onze Lieve Vrouw ter Nood Heiloo, kapel 1573 – kapel 1930, (Heiloo) 1994.
Michel Bakker u.a.: Ridder en mysticus. Han Bijvoet (1897-1975) kunstschilder te Haarlem, Haarlem 2017.



