Mitten in der Schweiz findet sich der Ort Pfäffikon zwei Mal: Einmal südlich des Zürichsees im Kanton Schwyz und nördlich des Zürichsees im Kanton Zürich. Dieses letztgenannte Pfäffikon hatte vermutlich im 7. Jahrhundert schon eine merowingisch-karolingische Kapelle, aus der um 1200 eine Chorturmkirche hervorging. 1484 bis 1488 wurden der Chor und das Kirchenschiff gotisch umgebaut, einer der Strebepfeiler trägt die Jahreszahl 1487. Im Zuge dieser Umbauten entschloss man sich zu Freskenmalereien, die wiederum auf 1484 datiert sind.

Ob auch bereits der Vorgängerbau Fresken besaß, und welche Motive dort zu sehen war, darüber ist nichts bekannt. Seit der Reformation im nahegelegenen Zürich war der katholische Gottesdienst im gesamten Kanton verboten, weshalb die Kirche von Pfäffikon fortan ausschließlich für den reformierten Gottesdienst verwendet wurde.


Das Weltgericht schmückt die linke Ostseite der Kirche zur Gemeinde hin. Es handelt sich um eine separate Malerei mit einem floralen Rahmen im Stil der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Die Bildmotive, aus denen sich das Gericht zusammensetzt, sind konventionell: Christus auf dem Regenbogen, mit Schwert und Lilie, links von Maria und rechts von Johannes dem Täufer assistiert, links Himmlisches Jerusalem, rechts Hölle, dazwischen Auferstehung mehrer Menschen aus den Gräbern. Sucht man nach Besonderheiten, könnte man vielleicht das Weihrauchfass anführen, dass der Engel neben den Geretteten schwenkt – solches kenne ich aus keiner einzigen vergleichbaren schweizerischen Weltgerichtsdarstellung. Die Schar der Geretteten ist überzeugend gearbeitet, vor allem die Qualität der Physiognomien spricht für einen Könner, während andere Partien eher schematisch und auf Weitsicht aus angelegt sind. Bei der Gruppe ist es gelungen, trotz der Nacktheit individuelle Menschen zu zeigen, die durchaus würdevoll hervortreten, auch wenn sie nicht mehr als Ständevertreter ausgezeichnet sind. Äußerst bescheiden erscheint dagegen die Himmelspforte; man könnte sie als schwarzes Loch bezeichnen. Man muss sich aber in Erinnerung rufen, dass die Architektur über dem „schwarzen Loch“, die sich bis zu dem linksseitigen Posaunen-Engel zog, komplett verloren ging.
Zwar ist der Maler unbekannt, aber wir kennen den Stifter, der sie finanziert hat. Es handelt sich um den Pfäffikoner Bürger Hans Schellenberg, links unten ist er mit seinem Stifterwappen verewigt.

Heimatbuch der Gemeinde Pfäffikon im Kanton Zürich, Pfäffikon 1962.
Peter Jezler: Der spätgotische Kirchenbau in der Zürcher Landschaft. Die Geschichte eines ‚Baubooms‘ am Ende des Mittelalters. Festschrift zum Jubiläum ‚500 Jahre Kirche Pfäffikon‘, Wetzikon 1988.
Reformierte Kirche Pfäffikon ZH: Renovation 1990/91, Pfäffikon 1991.
Peter Bösch: Der halbe Bildersturm von Pfäffikon. Die abenteuerliche Geschichte der Freskenfreilegung in der reformierten Kirche Pfäffikon, in: Heimatspiegel. Illustrierte Beilage im Verlag von ‚Zürcher Oberländer‘ und ‚Anzeiger von Uster‘, 2022, Mai, S. 33-40.



