Den Aufbau dieser Ikone darf man als „klassisch“ bezeichnen, in Kürze: Christus in der der Mitte in einer runden Mandorla, von Engeln und Heiligen umgeben, die in langen Reihen geordnet sind. Links unten befindet sich das Paradies mit der ersten Pforte, recht die rot glühende Hölle. Von dort bewegt sich eine Schlange, die das Böse symbolisiert, nach oben. Ebenfalls nach oben werden links Seelen von Engeln wie in einem Fahrstuhl nach oben gebracht. Dort schließlich wartet das Himmlische Jerusalem mit der zweiten Pforte.

Der Aufbau dieser Ikone ähnelt vielen anderen russischen Weltgerichtsikonen zuvor, etwa dem kurz zuvor entstandenen Weltgericht aus dem Louvre. Mit einer Ausnahme: Das Neue Jerusalem ist hier anders als zuvor und danach gestaltet worden. Zwar finden sich auch hier die Türme und die Tische mit den Heiligen, die das ewige Abendmahl feiern, aber stark schematisiert, geometrisiert, vereinfacht. Die Grundform ist der Block: Links ein dunkelgrüner Block mit zwei Streifen: Es sind die Eingänge, hier zwei für die unterschiedlichen Geschlechter (von denen man in der Frühen Neuzeit noch nicht mehr als zwei kannte). Von dort zieht sich nach rechts ein rotes Band als Stadtmauer hinüber zu einem zweiten Block, ebenfalls rot. Aus kompositorischen Gründen finden sich auch hier zwei weiße, parallele Linien. Zwischen die Blöcke schieben sich horizontale weiße Bänder – es sind die Tische, an denen Abendmahl gefeiert wird. Die hier sonst zu findenden Arkaden hat der Künstler ganz nach oben in die Dachzone gesetzt, mittels einem roten und einem gelben Bogen und weißer Füllung.
Die Ikone aus dem 18. Jahrhundert befand sich einst der Kapelle des Heiligen Nikolaus im Dorf Melaya Guba in der Oblast Pskow; heute gehört sie zum staatlichen Museumsreservat Kizhi in der Republik Karelien der Russischen Föderation. Eine Zweitfassung aus dem Dorf Seletskoye (Bezirk Medvezhyegorsk der Republik Karelien) befindet sich im Museum der Schönen Künste der Republik Karelien.



