Gregorio Forstman: Kupferstich einer Marienerscheinung (1660)

Diego Jarava (auch Xarva) del Castillo, ein Verfasser theologischer Schriften der späten Gegenreformation, veröffentlichte im Jahr 1660 „Triunfos gozosos de Maria Sacratissima concebida, santa, pura, limpia y sin mancha de pecado original“, eine enthusiastische Lobeshymne auf Maria, die in Madrid bei Mateo Fernandez mit königlichem Privileg gedruckt wurde. Ein Kupferstich mit Maria erscheint in dem Band gleich zwei Mal, zunächst als Frontispiz, dann nochmals am Ende der Vorwortseiten (beide Male unpaginiert). 

Maria wird, dem Typus der apokalyptischen Frau folgend, in zentraler Position in betender Pose dargestellt, mit offenem Haar und einer Mondsichel zu ihren Füßen. Zu ihren Seiten befinden sich der Heilige Joachim und die Heilige Anna, die als Großeltern Mariens gelten. Um diese Figuren sind einige Symbole angeordnet, die, gemäß der Lauretanischen Litanei, die Reinheit Mariens anzeigen sollen. Zwei der Symbole, den Spiegel und die Himmelspforte, findet man im unteren Bereich. Der Bau wird in einer Form präsentiert, die für Spanien und Neuspanien typisch ist Er hat zwei geschlossene Flügel, darunter sechs Stufen, darüber einen Dreieckgiebel. Auf dem Giebel befindet sich ein Knauf, in den die Flamme der Gloriole so geschickt eingearbeitet wurde, dass man glaubt, eine Wetterfahne zu sehen.
Die Illustration vereint unten zwei für Spanien wichtige Marienerscheinungen: Links die Erscheinung bei der Seeschlacht von Lepanto (1571) und rechts die Erscheinung bei der Schlacht von Covadonga (722). Unten links ist der Kupferstich wie folgt unterschrieben „Gregorio Forstman faciebat M. 1660“. Über diesen Künstler Forstman ist nicht viel bekannt – dem Namen nach könnte er irische oder englische Wurzeln gehabt haben. Seine Werkstatt führte er in der andalusischen Stadt Medina-Sidonia, nachgewiesen ist er für den Zeitraum von 1653 bis 1713. 

 

tags: Gegenreformation, Marienfrömmigkeit, Himmelspforte, Spanien, Kupferstich
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