Jean-Marc Cybart (1944-2019): Freimaurer-Karte (1985)

Jean-Marc Cybart (1944-2019) war ein Autor und Grafiker aus Niort in Frankreich. 1967 hatte er die humanistische Zeitschrift Americana gegründet. 2017 gab er zusammen mit S. Van Khache einen Bildband heraus, der Katzen und Freimaurertum miteinander in Beziehung brachte. Doch schon Jahrzehnte zuvor hatte sich Cybart mit dem Schottischen Ritus der Freimaurerlogen beschäftigt; er selbst war Freimaurer bei der Loge Grand Orient de France.
1985 entwarf er eine schwarz-weiße Karte, angelehnt an ältere Darstellungen aus dem 19. Jahrhundert. Es sind biblische Symbole, auf die hier angespielt wird: Die Schlange kennt man aus der Paradieserzählung, mit dem Erscheinen des Neuen Jerusalem verliert sie ihre Macht. Der Baum, um dem sie sich windet, erinnert gleichsam an den Baum der Erkenntnis wie auch, im Bezug auf die Stadterscheinung, an den Lebensbaum. Rechts hat Cybart das Thema der untergehenden Welt aufgegriffen, in dem ein paar Vanitas-Symbole zusammengestellt sind, die auf den ersten (zerstörten) Tempel deuten.

Über dem Baum mit zwölf Blättern in Herzform erscheint das Neue Jerusalem in einem Kreisnimbus. Drei Tore sind an der Vorderseite aneinander gesetzt, wobei das mittlere, etwas größere Tor ein Fallgitter trägt. Darüber ist ein Dreieck angebracht als Verweis auf die Trinität. Laut Cybart sind die christliche Symbole im Inneren des Menschen angelegt: „Beim Betrachten der Symbole erfährt der Wissende eine Läuterung durch die Erzählungen und Kräfte, die mit einem jeweiligen Symbol verbunden sind. Der zerstörte Tempel und das perfekte Jerusalem sind Auftrag an jeden Freimaurer, an seiner Weiterentwicklung und Vollkommenheit zu arbeiten. Das himmlische Jerusalem ist weniger Ziel, sondern vielmehr eine Bestimmung oder ein Antrieb, Ansporn, gemeinsam mit Gleichgesinnten an dem Höheren zu arbeiten. Unten ist Stein, Menschenwerk, oben Feinstoffliches, Gotteswerk“ (Cybart 2002).
Die französischen Bezeichnungen „Groß-Pontifex“ oder „Großpapst“ (oben), „Kapitelgrad“ (rechts) und das „Himmlische Jerusalem des erhabenen Schottischen Grades“ verweisen nochmals auf den Freimaurer-Kontext dieser Karte. Sie gehörte zu einem Satz eines Dutzends ähnlicher Karten, die Cybart Ende der 1980er Jahre als Postkarten herausgab. Dabei vertraute er der Kraft der Symbole: Potentielle Kandidaten sollten die Inhalte quasi erspühren, ihr Interesse an dem Thema geweckt werden. Ob tatsächlich, und wenn ja wie viele, Empfänger einer solchen Karte zum Freimaurertum fanden, ist nicht bekannt.

 

tags: Freimaurertum, Postkarte, Schlange, Herz
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