
Jean-Jacques Rullier (geb. 1962) ist ein französischer Künstler, der 1995/96 einige Monate in Israel verbrachte, wo mehrere Zeichnungen zum Thema Vision entstanden. Diese wurden dann im Museum des Künstlerdorfs Ein Hod (Israel) öffentlich ausgestellt. Die Serie wurde damals viel beachtet und diskutiert, weil in ihr auch nichtchristliche Visionen eine Rolle spielten.
Auf der Zeichnung mit vollem Titel „La Vision de la Jérusalem Céléste“ („Die Vision vom Himmlischen Jerusalem“) sieht man oben zwei um einen goldgelben Block konzentrisch ineinander gesetzte Quadrate, deren äußeres die zwölf Tore zeigt, die mit schwebenden Engeln besetzt sind (jeweils drei an einer Seite). Das innere Quadrat besetht aus einem Band aneinander gesetzter Häuser. Diese Vision ist von einem Lichtkreis umschlossen, der sich als weiße Scheibe vom hellblauen Firmament abgrenzt, der fast den gesamten Rest des Bildes ausmacht. Nur ganz unten ist eine verloren wirkende Figur beigegeben, die diese Erscheinung ehrfurchtsvoll betrachtet. Diese Zeichnung ist Johannes auf Patmos und seiner Vision gewidmet; ganz ähnlich aufgebaute Arbeiten Rulliers aus dieser Zeit zeigen Hildegard von Bingen unter einer ihrer Visionen und einen Buddhisten unter einem Mandala. Die kindlich-naive figürliche Ausdruckssprache ist hier Teil des Konzepts; andere Werke Rulliers bedienen sich einer mehr modernen Sprache.
Dans quel miroir Daniel peut-il voir son image? Ein-Hod 1996.
Marie-Laure Bernadac: Jean-Jacques Rullier, oeuvre incomplète, Paris 1997.
Bianca Kühnel: The use and abuse of Jerusalem, in: Bianca Kühnel (Hrsg.): The real and ideal Jerusalem in Jewish, Christian and Islamic art, Jerusalem 1998, xix-xxxviii.
Reyhan Ekşioğlu: Yüzyıldan 20. Yüzyıla Sanatta Kudüs: Yahudi, Hıristiyan ve İslam Sanatlarında İdeal Kudüs Tasvirleri, in: Sanat Tarihi Yıllığı, 22, 2010, S. 39-61.
Claus Bernet: Zeichnungen, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 19).