
Eine der frühen, vielleicht sogar ersten Graphiken des Himmlischen Jerusalem, die ausschließlich am PC entworfen wurden, gestaltete die Familie Henry, maßgeblich Vater David Henry und sein Sohn Steven Henry. Das war um das Jahr 1995. Der Vater war vor allem für die Konzeption und Anordnung verantwortlich und zeichnete dabei eine erste Fassung auf Papier, und nach dieser entwarf sein Sohn anschließend die finale, hier zu sehende Digitalversion. Sie zeigt im Vordergrund unten den Lebensfluss (ein blauer Strich) zwischen zwei Bäumen, mit jeweils zwölf roten Früchten. Dahinter steht ein Nimbus mit dem weißen Thron in der Mitte. Diese Elemente stehen auf einem gelben Raster. Nach Erläuterung der beiden Gestalter ist dies die unterste, innere Ebene der neuen Schöpfung, in die wir sehen können, weil die darüber liegende Konstruktion weggenommen wurde. Die Konstruktion macht die zwölf Farbflächen aus, die sich wie Papierbögen im Hintergrund übereinanderstapeln und sich zu einem teilweise durchsichtigen Kubus vereinen. Die oberste erste bzw. zwölfte Schicht ist ebenfalls durchsichtig und von daher kaum zu erkennen. Immer dann, wenn die Schichten sich überlappen, wechselt die Farbe in einen anderen Ton. Da die Bögen nicht gerade, sondern leicht gewölbt sind, entsteht etwas Leichtigkeit und Bewegung in der Grafik.
Steven Henry war ein evangelikaler Pastor aus dem US-amerikanischen Bible-Belt. Henry bot viele seiner Grafiken online kostenlos an, und hat diese Offerten als sein missionarisches Wirken betrachtet. Er war stark von der amerikanischen Rapture-Ideologie geprägt und seine Familie gehörte der „Followers of Christ Bible Church“, zur Zeit der Bildentstehung in Florida an. Auch in den folgenden Jahren setzte er sich in Predigten immer wieder mit der Johannesoffenbarung auseinander.
Claus Bernet, Alan L. Nothnagle: Christliche Kunst aus den USA, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 32).