Meriam Matthews: Rendering „Das neue Jerusalem“ (um 1992)

Eines der frühen Renderings zum Thema Neues Jerusalem entstand um 1992. Damals waren Renderings eine neue künstlerische Ausdrucksmöglichkeit, die bereits Elemente der Künstlichen Intelligenz vorweg nahmen. Immer mehr wurden Menschen ohne künstlerische Ausbildung oder ohne Talent in die Lage versetzt, am PC digitale Meisterwerke entstehen zu lassen. Manche sehen darin den Untergang der Kunst, andere ihre Demokratisierung. Dieses Beispiel ist mit seiner technisch brillanten Ausführungen und den neuen Ideen, zu denen wir gleich kommen werden, eines der besten Renderings der 1990er Jahre.
Die Arbeit von Meriam Matthews (damals Charleston, South Carolina) trägt den von der Künstlerin ausgewählten Titel „The New Jerusalem“. Sie zeigt einen transparenten Kubus auf einem farbigen Edelstein-Fundament in Form eines sechseckigen Sterns – in der tausendjährigen Ikonographie des Gegenstands ein Novum. An den Seiten dieses Sterns sind die Namen der Apostel aufgeschrieben, in englischer Sprache, aber in einem Schrifttyp, der an hebräische Buchstaben erinnern sollte. Im gläsernen Kubus kann man unten als dunklere Streifen die zwölf Stadttore ausmachen. Ungewöhnlich ist der Ring inmitten des Kubus, laut Information der Künstlerin steht er für die mystische Vermählung der Braut mit der Kirche im Neuen Jerusalem.
Ebenso ungewöhnlich ist die Lichterscheinung oben links. Dabei handelt es sich um ein weißes Kreuz. Es scheint hier zu dampfen oder zu rauchen, weiße Schwaden ziehen von links nach rechts. Kreuze im Kontext des Himmlischen Jerusalem sind keineswegs selten, doch so gut wie immer wird das Kreuz in oder auf der Stadt gezeigt, nicht außerhalb. Hier ist das Kreuz weniger die Präsenz Christi in der Stadt, sondern eine Reminiszenz an Golgatha.

Claus Bernet, Alan L. Nothnagle: Christliche Kunst aus den USA, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 32).

 

tags: Digitalkunst, Rendering, USA, Kubus, Hexagon, Ehering
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