
Zahi Issa (geb. 1962) stammt aus dem syrischen Aleppo und gehört der römisch-katholischen Kirche an. Die Malkunst erlernte er bereits im Atelier seines Vaters Jak Issa. Seit 1975 nimmt er regelmäßig an Ausstellungen teil, und 1981 erfolgte in Damaskus seine erste Einzelausstellung mit Beiträgen im Fantasystil, aber meist in Anlehnung an die traditionelle Malweise der Renaissance oder des Barock. Seitdem ist er vorzugsweise in italienischen Galerien präsent.
Auf dem Ölgemälde „La nuova Gerusalemme che scende dal cielo“ („Das neue Jerusalem, wie es vom Himmel herabkommt“) aus dem Jahr 1991 (links unten signiert und datiert) scheint Jerusalem von Gott auf den Händen getragen. Die Physiognomie Gottes erinnert an ältere Darstellungen, über Jahrhunderte hatte sich eine traditionelle Sichtweise herausgebildet, im hiesigen Kontext sei an Benvenuto Tisi Garofalo, an das Fresko im Karner von Völkermarkt oder an William Blake erinnert. Bei Issa ragt die Hälfte des Kopfes von Gott über den vergoldeten und ornamentierte Rand des Bildes hinaus – das Übertreten des Randes ist ein Merkmal, welches man auf vielen der Gemälde von Issa findet. Die Falten des göttlichen Gewands verwandeln sich in weiße Lichtstrahlen, die nun die Stadt erleuchten. Rechts, wo traditioneller Weise die Verdammnis, die Hölle oder das Purgatorium dargestellt ist, wird es zunehmend dunkler, links erscheint dagegen ein Regenbogen. Die Stadt, deren Erscheinungsgestalt an das historische Jerusalem angelehnt ist, wurde auf einem gigantischen Felsbrocken aus der Erde herausgerissen und schwebt über einem wilden Urmeer. Dort werden die Felsen zu Flügen, die diese Stadterscheinung in der Schwebe halten. Zwischen ihnen erscheint ein zweiter Regenbogen.
Alfredo Pasolino: Zahi Issa presenta Nella culla dell’arca, o.O. um 2000.
Zahi Issa: Io ho un sogno, o.O. 2005.
Claus Bernet: Gemälde, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 21).