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Das Werk in Acryl „Jerusalem the Bride“ stammt von Michael W. Carroll (geb. 1955) aus dem Jahre 1986. Carroll, Mitbegründer der International Association for the Astronomical Arts, arbeitete viele Jahre als astronomischer Zeichner, u. a. auch für die NASA. Als Illustrator hat er zahlreiche Bücher und Broschüren mit gestaltet, beispielsweise diejenigen von Carl Sagan und Arthur C. Clarke. Daneben hat er sich eingehend mit der Apokalypse beschäftigt, die ja auch kosmische Ereignisse thematisiert.
„Jerusalem the Bride“ ist voller durchdachter Überlegungen. Der Schleier der Braut erscheint erneut im himmlischen Jerusalem darüber – damit soll gesagt sein, dass man Jerusalems Schönheit auf Erden noch nicht voll erkennen könne, lediglich seine Umrissgestalt, wie die zwölf Tore oder steilen Mauern. Diese Stadt vertritt auch den Bräutigam dieser kosmischen Hochzeit.
Carrolls Buch „Visions of the Revelation“, welches 1991 erschienen ist, enthält noch zwei Torszenen aus dem Jahre 1986. Blau ist erneut der vorherrschende Farbton. Hinter einem Ruinentor im Vordergrund (die alte Welt) erscheint ein zweites Tor des Neuen Jerusalem (der neuen Welt). Dieses Tor ist ein Detail von „Jerusalem the Bride“. Über das Tor und die Mauern hinweg fließt das Wasser des Lebens, um sich in einem Meer vor der Stadt zu sammeln.
Das zweite und letzte Gemälde zum Thema Himmelspforte ist in der Idee und der künstlerischen Umsetzung ein hochwertiges Meisterwerk, dem man mehr Bekanntheit und Beachtung wünscht. Vor einer Felsenlandschaft – sei es das Elbsandsteingebirge nach Caspar David Friedrich oder der Grand Canyon – steht rechts an einem Baum ein Mensch mit blauen Umhang. Vor ihm öffnet sich im Firmament eine transparente Tür nach innen. Jetzt wird es surreal: Einerseits setzt sich das Geäst des Baumes in dieser Tür fort, andererseits erscheinen dort neue Elemente, wie Wolken oder das Fragment eines Regenbogens, die sich nicht in der Umgebung fortsetzen.
Die Texte zu den Bildern wurden gemeinsam von Carroll und dem reformierten Theologen Jay Adams (1929-2020) verfasst, der zu den Kunstwerken schrieb: „Es war uns wichtig, den altbekannten Text mit wirklich neuen Bildern unserer Zeit auszustatten. Sie sollten schön sein wie der Blick mit dem Fernrohr in die Galaxien der Schöpfung, atemberaubend, geheimnisvoll und doch uns zugeneigt. Das göttliche Erlösungsgeschehen bricht bereits in unserem Dasein an, es gibt keine klare Trennung von gottferner Welt und gottpräsentem Himmelreich. Aus diesem Grund wird einmal die Mauer durchbrochen gezeigt, einmal vermengt sich irdischer und göttlicher Bereich, so wie Johannes bereits die Zukünftigen Dinge gesehen hat – manchmal lüftet sich der Schleier etwas und wir dürfen an Jerusalem teilhaben.“
Jay Edward Adams, Michael W. Carroll: Visions of the Revelation, Virginia Beach 1991.