Maria G. Dillmann (geb. 1921): „Das neue Jerusalem“ (1985)

Maria Gabriele Dillmann (geb. 1921) hatte Sozialpädagogik und Theologie studiert, anschließend arbeitete sie als Religionslehrerin in Süddeutschland. Nach dem Zweiten Weltkrieg kümmerte sie sich um Vertriebene, später auch um Strafgefangene. Nebenbei studierte sie in Freiburg (Breisgau) Medizin und schloss 1970 mit einer Promotion ab. Selbst während dieses anspruchsvollen Studiums fand sie Kraft für Neues. Mit etwa 36 Jahren begann sie zu zeichnen und zu malen. Viele Werke wurden 1991 bekannt, als sie zusammen mit Gedichten, die ebenfalls von Dillmann sind, in dem Band „Der Fels wacht über dem Duft einer Rose“ an die Öffentlichkeit gelangten.
Ihr darin enthaltenes Bild „Das neue Jerusalem“ zeigt eine Anzahl von blockartigen Bauten, die sich zu einer u-förmigen Mauer zusammenfügen. Davon abgesetzt findet sich rechts eine kleine Kirche mit blauen Fenstern, links ein Brunnen, darüber ein weißer Halbmond. Auf dem Brunnenrand sitzt nicht etwa eine Katze, sondern hier hat jemand eine Vase abgestellt. Es scheint sich um eine Wüstenstadt zu handeln, von ihren Bewohnern und Bewohnerinnen verlassen. Dillmann, die ansonsten keine biblischen Bilder in dem Band aufgenommen hatte, wollte mit dem neuen Jerusalem vielleicht nicht das Himmlische Jerusalem benennen, sondern möglicherweise das alttestamentliche Jerusalem zeigen. Das Bild gehört übrigens zu einem Gedicht Dillmanns mit dem Titel „Frühe Sonne“:

Frühe Sonne atmet über den Tag/der mit tausend Geheimnissen/mir entgegenruft./Strahlende Freuden locken/über den Abgründen./Die Freiheit bereitet den Weg,/sicher und rein./Dank erleuchtet die Nacht/und voll Staunen neigt sich/der junge Morgen in meinem Schoß“.

Maria Gabriele Dillmann: Der Fels wacht über dem Duft einer Rose: Bilder und Gedichte, Stuttgart (1991).
Claus Bernet: Das Himmlische Jerusalem in Deutschland, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 27).

 

tags: Hobbykunst, Wüstensiedlung, Halbmond, Katze
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