Walther Senf (1909-1985): Bildtafel „Himmlisches Jerusalem“, ursprünglich in der Erlöserkirche Dettingen (1961)

Die evangelische Erlöserkirche Dettingen am Main (Unterfranken) wurde 1961 eingeweiht. Bei den Formen des Baukörpers spielt das Quadrat die zentrale Rolle, vielleicht hat dies mit dazu angeregt, sich mit dem Thema Himmlische Jerusalem näher zu beschäftigen. Als zentraler Schmuck des ansonsten nüchternen Kirchenbaus entschied man sich für eine farbkräftige Bilderwand. Die einzelnen Holztafeln wurden vermutlich in Dettingen gefertigt und nach Ausweis der Angaben auf der Rückseite des Bildes per Bahnfracht vom Bahnhof Dettingen nach München-Lochhausen geschickt. Dort wurden sie im Atelier des Künstlers Walther Senf (1909-1985) bemalt. Der Künstler hatte sich auf die Ausgestaltung und Restaurierung evangelischer Kirchen in Bayern spezialisiert, so in Schweinfurt, Waldkraiburg, Pfaffenhofen, Hemhofen oder Thannhausen, wobei seine moderne figürliche, an naive Kunst angelehnte Darstellungsweise vor allem in Neubauten zur Geltung kam.

Anschließen wurden die neunzehn Tafeln wieder verpackt und nach Dettingen zurückgeschickt. Dort wurden sie zusammengebaut und hinter dem Altar entstand eine 5 x 4 Meter große Bilderwand. Auf ihr findet man Themen wie die Vertreibung aus dem Paradies, die Arche Noah, die Taufe, die Kreuzigung, das Abendmahl. Die 104 x 90 Zentimeter große Mitteltafel dieser Bilderwand zeigt das Himmlische Jerusalem, direkt unter einer weiteren Mitteltafel mit der Majestas Domini, mit der sie inhaltlich verbunden ist.

Die Stadt wurde ohne ihre typischen Elemente wie Engel, das Lamm Gottes, den Thron oder die Edelsteine dargestellt. Senf hat in vier Schichten einzelne Bauteile übereinander gesetzt, im Wechsel sind es drei Tore unten, dann Häuser der Stadt, dann wieder drei kleinere Tore und zum Abschluss drei Türme. Bei den unteren Toren sind noch die Türflügel zu sehen, sie sind geschlossen, die Tore der dritten Reihe könnten offen sein.

Der mittlere Turm ist etwas höher, die Gestaltung der Seiten symmetrisch, wodurch das Gemälde im Verein mit den anderen Tafeln als Mittelbild ausgleichend wirkt. Beruhigend und harmonisierend wirken auch die hellen Pastelltöne, während die umgebenden Tafeln dunkler und in kräftigeren Farben gehalten waren. Auch fällt auf, dass alle Bildtafeln einen grün aufgemalten Rahmen in unterschiedlichem geometrischem Muster haben – bis auf das zentrale Jerusalems-Bild, das ohne Rand auskommt.
Im 21. Jahrhundert war die Kunst von Walther Senf weniger gefragt, manche Werke wurden aus Kirchen wieder entfernt. So war es auch der Fall in Dettingen. Ab 2011 wurde die Kirche grundlegend saniert und umgestaltet. Die Bildtafel war nicht länger Teil der Neukonzeption, wurde abgebaut und 2016 wurden die einzelnen Tafelbilder gegen eine Spende abgegeben werden.
Die mittlere Tafel mit dem Himmlischen Jerusalem konnte von Michael Pfeifer gerettet werden, der sich unter anderem um die wenig bekannten Patronale-Figuren verdient gemacht hat. Die Tafel befindet sich seitdem in Privatbesitz.

Karl Holler: Die evangelische Erlöserkirche – Bau und Ausstattung, in: Die Kirche in Dettlingen am Main, hrsg. zum 50. Jahrestag der Einweihung der kath. Pfarrkirche St. Peter und Paul in Dettlingen am Main, Dettlingen am Main 1973, S. 59-63.
Theresia Senf, Andrea van Dülmen: Walther Senf. Bilder und Druckgraphik, München 1987.
Helmut Braun: Umgestaltung der Erlöserkirche in Dettingen, in: Kirche + Kunst, 90, 1, 2012, S. 40- 41.

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tags: Unterfranken, Mainregion, naive Kunst, Tafelmalerei, Pastell
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