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Weltgericht aus dem Kloster Megisti Lavra, Athos (17. Jh.)

Die orthodoxen Klöster der Mönchsrepublik Athos bergen noch immer zahlreiche Kunstschätze, die außerhalb der Klostermauern weniger bekannt sind. Bezüglich des Neuen Jerusalem haben wir immerhin Kenntnis von mehreren Wandmalereien, die das Thema im Kontext des Weltgerichts zeigen. Darüber hinaus existieren in den Kirchen, Kapellen und sonstigen Klosterräumen auch Ölmalereien zu dem Thema. Erst kürzlich wurde eine Ölmalerei bekannt, die man anhand der Malweise und der Motive in das 17. Jahrhundert datiert. Man findet das Gemälde im Narthex der Klosteranlage Megisti Lavra, das älteste, heute größte und auch bekannteste der Athosklöster. Es besitzt eine eigene Ikonensammlung, die in der Mitte des 11. Jahrhunderts angelegt wurde, deren Höhepunkt dreißig Ikonen aus byzantinischer Zeit sind. Von dem byzantinischen Stil sind auch viele spätere Arbeiten, wie dieses Gerichtsbild, mit beeinflusst. Die Ikone besteht aus einem oberen quadratischen Teil und acht unteren Bildfeldern. Während die unteren Felder Höllenszenen präsentieren, stellt das obere Bild das Himmlische Jerusalem links der Verdammnis rechts gegenüber. Wie auch bei anderen Werken der Ostkirche vermengen sich Paradiesvorstellungen mit solchen des Himmlischen Jerusalem. Besonders deutlich wird der Jerusalmsbezug an der Himmelspforte: Hier werden nicht Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben, sondern zahlreiche Heilige strömen in die rettende Stadt, die gerade von Petrus freigegeben wird. Im Inneren haben sich schon einige Heilige versammelt, wie die drei Patriarchen oder Maria, die den Thron in der Mitte besetzt. Bei der Gruppe links handelt es sich um die fünf klugen Jungfrauen, denen die fünf törichten Jungfrauen gegenüber gestellt wurden. Diese befinden sich freilich außerhalb der Stadtmauer. Diese ist keineswegs quadratisch, sondern eher ein unregelmäßiges Dreieck, mit zahlreichen Vor- und Rücksprüngen, was man auch von anderen Ikonen dieser Zeit her kennt, etwa auf der „Zweiten Wiederkehr“ von Fragias Kavertzas (1640-1641), auf der Ikone zum Glaubensbekenntnis aus Russland (1650-1700) oder auf einem russischen Weltgericht (17. Jh.).
Der Verlauf der Stadtmauer ist hier übrigens durch eine Galerie von Bäumen zusätzlich betont, die an der Innenseite der Mauer entlanglaufen. Vorne strömt aus der Mauer an vier Stellen der Fluss des Lebens nach außen, der innen übrigens nicht weiter aufgenommen und vermutlich vergessen wurde. Die kyrillischen Beschriftungen an den Toren sind also hier nicht die Namen der Apostel, sondern die vier Flüsse Gion, Fison, Tigris und Euphrat.
Einen speziellen Forschungsstand zu dem Gemälde gibt es nicht, so dass man sich lediglich allgemein über die Athosklöster informieren kann. Für die Mönchsgemeinschaft sind solche Werk Repräsentationen des Heiligen und dienen der Verehrung, nicht der Erforschung. Die Erforschung wird zwar nicht behindert, ist aber auch nicht gerne gesehen. Anfragen zu dem Bild wurden nicht beantwortet oder konnten auch nicht beantwortet werden, da Aufzeichnungen über Maler und den Entstehungshintergrund vermutlich nicht archiviert wurden.

Heinrich Brockhaus: Die Kunst in den Athos-Klöstern, Leipzig 1924.
Sotiris Kadas: Der Berg Athos. Illustrierter Führer der Klöster: Geschichte und Schätze, Athen 1987.
Nicholas Fennel, Graham Speake: Mount Athos and Russia, 1016-2016, Oxford 2018.

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tags: Weltgericht, Griechenland, Athos, Zackenstil, Dreieck
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