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Sepp Hürten (1928-2018): Portalrelief von St. Quirinus in Mödrath (1964)

Wie mächtige Bollwerke aus Beton und Eisen erscheinen die zwölf Rundtürme mit ihren Kegeldächern des Himmlischen Jerusalem in St. Quirinus in Mödrath bei Köln. Das Portalrelief befindet sich über dem mittleren Haupteingang der Kirche. Nicht einmal Fenster oder Eingänge sind zu sehen – ihre äußere Gestalt ist wie die der Mauer der Kirche ohne jeden nennenswerten Schmuck. Hier zitiert also das Relief denjenigen Bau, dem es aufgesetzt ist, oder umgekehrt.

Eine gewisse Sterilität oder Leblosigkeit setzt sich im Inneren der Stadt fort, wo zwar Wohnbauten leicht angedeutet sind, ohne aber Engel oder die Bewohner und Bewohnerinnen ins Bild zu setzen. Völlig unbelebt ist die Szenerie jedoch nicht: In der Mitte steht ein Früchte tragender Lebensbaum, vor dem das Lamm Gottes auf dem Thron Platz genommen hat. In spannungsreichem Kontrast zu dem starren oberen Bildteil empfindet der Betrachter das aufschäumende Wasser unten. Es fließt aus dem Thron des Lammes heraus, strömt über die Stadtmauer und verteilt sich wild bewegt und schäumend am Fuße der Stadt. Eine solche Wellenbewegung in Stein darzustellen ist eine großartige bildhauerische Leistung, die Können und Erfahrung voraussetzt.
Obwohl das Relief aus Muschelkalkstein gefertigt wurde, versuchte der Künstler, der Kölner Sepp Hürten (1928-2018), den Werkstoff Beton nachzuahmen. Beton war in den 1960er Jahren ein in der Sakralkunst neu entdecktes Material, mit dem Künstler gerne experimentierten. Beton verhieß Festigkeit, Altersbeständigkeit, gar immerwährende Beständigkeit – also Eigenschaften, die zum dargestellten Thema einer ewigen Stadt sehr gut passten. Im Œuvre des Künstlers ist es die erste Auseinandersetzung mit dem Thema. Viele Jahre später verwendete er die Motive von Mödrath nochmals bei einem Tabernakel in Müllekoven.

Friedhelm Hofmann: Zeitgenössische Darstellungen der Apokalypse-Motive im Kirchenbau seit 1945, München 1982.
Friedhelm Hofmann: Das Portalrelief von St. Quirinus in Kerpen-Mödrath, in: Kerpener Heimatblätter, 21, 3, 1983, S. 215-218.

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tags: Sepp Hürten, Kalk, Köln, NRW, Rheinland, Neoromanik, Festung, Beton
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