Suche
Close this search box.

Renée Leclerc (1954-2020): Apokalypsezyklus (um 1980)

Um das Jahr 1980 zeichnete Renée Leclerc (1954-2020) eine kleine Serie zur Apokalypse. Wie in solchen Serien üblich zeigt das letzte Bild das Erscheinen des Himmlischen Jerusalem. Der Betrachter blickt direkt auf eine der Ecken, an denen zwei der vier Mauerseiten zusammenlaufen. An der Mauerunterseite sind Farbstreifen zu erkennen: so wurden bereits im Mittelalter die Edelsteine als das Fundament der Stadt dargestellt, das aus zwölf verschiedenen Steinen besteht. Davor stehen an den zwei Mauerseiten je drei weiße Engel. Auffällig ist, dass sie ohne Gesicht gezeichnet sind. Zwischen den Engeln erblickt man ovale, ebenfalls weiße Rundungen: es sind die Perlen, die hier wohl auch die Tore in die Stadt darstellen. Es sind jeweils an einer Seite der Stadt drei Engel und drei Perlen.
Während die Merkmale, die eine Stadt als Himmlisches Jerusalem erkennen lassen, nach außen gelegt sind, stellt sich das Stadtinnere recht profan dar. Zu sehen ist eine mitteleuropäische Altstadt. Nicht wenige Gebäude deuten auf Nürnberg im Mittelalter mit der Kaiserburg und seinen Stadttürmen sowie der Brücke über die Pegnitz, die man etwa im Zentrum der Stadt vorfindet. Irritierend ist der antike Tempel rechts oben, der so gar nicht in die Stadtlandschaft hineinpasst und in dieser Form eher an Nîmes oder Nantes denken lässt.
Die Zeichnung findet sich mit anderen Werken des Apokalypsezyklus in dem Buch „Conférence sur l’Apocalypse de Jean“, die 1985 von dem Theologen und Soziologen Jacques Ellul (1912-1994) herausgegeben worden war. Darin findet man eine Einleitung des kanadischen Marc Leclerc (1933-2005) – möglicherweise eine Verwandte von Renée Leclerc, die im Alter von 66 Jahren in Beauceville (Quebec) verstorben ist.

Claus Bernet: Zeichnungen, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 19).

.

tags: Nürnberg, Kanada, Apokalypsezyklus, Tempel
Share:
error: