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Joachim Klos (1931-2007): Fenster aus St. Nikolaus in Geldern-Walbeck (1970)

In dem dreibahnigen, neogotischen Chorfenster in der römisch-katholischen Kirche St. Nikolaus in Geldern-Walbeck am Niederrhein verkündet unten eine Engelsgestalt die Schöpfung und die Geschichte. Dieser Engel ist von einem Farbband umzogen, das gleichzeitig auf den Regenbogen wie auf das Edelsteinfundament der Stadt verweist. Es findet sich als Fragment noch ein weiteres Mal weiter oben, etwa dort, wo die goldenen Bahnen etwas ausbuchten und dem Fenster die Struktur eines riesigen Kreuzes ergeben.

Jakobsmuscheln weisen über dem Engel den Pilgern den Weg zum Himmlischen Jerusalem. Die horizontale Linienführung in Schwarz soll laut Klos ein Hinweis auf das Irdische sein. Die Schöpfung ist unterwegs zum Himmlischen Jerusalem. Das Dunkle ist aber umzogen von breiten, goldenen Mauern des Neuen Jerusalem, die sich in zwei Streifen nach oben ziehen, eine Architekturagglomeration aus tausenden feinen Stichen, die sich wie ein barockes Gewölbe formiert. Hin und wieder ist darauf ein grüner Edelstein gesetzt. Das Fenster aus Antikglas, Blei und Schwarzlot wurde von Joachim Klos (1931-2007) von 1969 bis 1970 angefertigt. Wenige Jahre nach seinem ersten Neuen Jerusalem in Bedburg-Hau hat Klos hier einen völlig neuen, eigenständigen Ausdruck gefunden. In der Gemeinde hat das Fenster die Bezeichnung: „Das pilgernde Gottesvolk auf dem Weg zum himmlischen Jerusalem“. Auch für den Künstler war der Gedanke der Kirche in Bewegung ein Motiv der Fenstergestaltung: „In Geldern habe ich das Neue Jerusalem nicht ‚irgendwo‘ auf dem Glas eingesetzt. Der Gedanke der Pilgerschaft hat mich damals angeregt, die Dynamik und den Prozess einer solchen Reise mit einzubeziehen. Mit der Aussage ‚Der Weg ist das Ziel‘ konnte ich nie wirklich etwas anfangen; hier unten ist Weg, dort ist Ziel, wer das verwechselt, verliert die Orientierung. Die ewige Stadt als Bezugspunkt einer Reise, oder sprechen wir lieber von ethischer Verantwortung im menschlichen Leben, war so darzustellen, dass wir bereits vom Heil berührt sind und das Zukünftige vergegenwärtigen, ähnlich wie in der Liturgie.“

 Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Teil 3, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 26).

 

tags: Niederrhein, NRW, Joachim Klos, Gold, Pilger
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