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Marko Domazhyrska Shestakovych: Fahrstuhl-Jerusalem aus Moldawien (1720)

Das Fahrstuhl-Jerusalem ist eine Konzeption, die vor allem in der Ukraine weit verbreitet war. Dabei finden sich an der rechten Seite einer Ikone kleine Kästchen, die von ganz unten, der Hölle oder dem Fegefeuer, bis nach ganz oben in das Himmlische Jerusalem reichen. In jedem Kästchen ringt eine menschliche Seele mit dem Teufel, wobei sie gelegentlich von Engeln unterstützt wird. Letztlich sind jedoch die Anfechtungen und Vorhaltungen der Teufel erfolglos, alle Seelen, die sich hier auf den Weg nach oben gemacht haben, werden nach ihrem Seelenkampf die himmlische Sphäre auch glücklich erreichen. So soll es sein. Erste Ikonen mit dieser Konzeption kennen wir aus dem 16. Jahrhundert. Arbeiten aus dem 17. oder 18. Jahrhundert sind seltener. Diese Ikone aus dem Ukrainischen Nationalmuseum in Lemberg (Inventarnummer 13599/I-2007) ist auf das Jahr 1720 datiert und zeigt das Weltgericht. Sie ist in der Region Moldawien entstanden, als diese zum Osmanischen Reich gehörte. Angefertigt in Tempera wurde es von dem adeligen Künstler Marko Domazhyrska Shestakovych. Im Aufbau und in der stilistischen Ausführung hielt der Maler sich eng an mittelalterliche Vorbilder, wozu er vielleicht auch vom Priester von Domazhr und den Presbytern von Moldavsko, Teodor und Bazylii angehalten wurde, die dieses Gemälde prüften. Heute ist der Erhaltungszustand schlecht, der Holzträger ist an verschiedenen Stellen gerissen.
Christus (links) und Maria (rechts) stehen vor einer rundbogigen Pforte, die zu einem weißen Gebäude gehört, welches vermutlich eine orthodoxe Kirche oder Kapelle darstellen soll. Dieser Bau ist symmetrisch angelegt, zu seinen Seiten sieht man im Hintergrund weitere Bauten, vor allem Dächer und Kuppeln. Diese Anlage steht für das Himmlische Jerusalem, in welches die Gruppe links davon gelangen möchte. Doch auch rechts streben Menschen in die rettende Stadt. In einer langen Reihe kommen sie in weißen Kästchen aus dem unteren Bereich nach oben.

Vasilii Petrovich Otkovych: Narodnoe techenie v ukrainskoĭ zhivopisi XVII-XVIII vekov, Kiew 1990.
Vira I. Svientsitska, Vasilii Petrovich Otkovych: Ukraïnsʹke narodne mali︠a︡rstvo XIII-XX stolitʹ, Kiew 1991.
John-Paul Himka: Last judgment iconography in the Carpathians, Toronto 2014.

 

tags: Moldawien, Fahrstuhlikone, Fegefeuer, Hölle, Ukrainisches Nationalmuseum Lemberg, Tempera, Beschädigung
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