Arkadenjerusalem aus Russland (um 1675)

Das Geschichts- und Kunstmuseum in Serpuchow, eine russische Großstadt etwa fünfzig Kilometer südlich von Moskau, besitzt eine gewaltige Ikone der Maße 180 x 145 Zentimeter (Inventarsnummer 13653/3.25). Diese ist um das Jahr 1675 in Nordrussland entstanden, im Umkreis der Altgläubigen. Sie wurde mit Temperafarben gemalt und 2016/17 mit Unterstützung der Denkmalbehörde und Museumsfachleuten umfassend restauriert. Thema der Darstellung ist das Weltgericht. Wie üblich, findet man bei diesem Thema oben links eine Wiedergabe des Himmlischen Jerusalem (Ausschnitt 70 x 45 cm). Die manieristische Darstellung in dunklem Grün und hellem Rot zeigt sieben Arkaden. Diese sind jeweils mit drei Heiligen vor goldenem Hintergrund besetzt. Darüber erhebt sich eine vielgliedrige Stadtlandschaft, die aus Türmen wie ganzen Häusern besteht. Dies sind mit zahlreichen Einzelheiten, wie Fenstern, Dachschindeln oder Schmuckornamenten ausgestattet.
Ganz links ist ein grünfarbenes Tor mit zwei offenen Türflügeln zu sehen, in dem Petrus mit den Schlüsseln steht – eine Figur, die so auf Weltgerichtsikonen selten zu finden ist. Direkt zu seinen Füßen befindet sich noch ein Heiliger, der es gerade noch in die rettende Stadt geschafft hat. Im Hintergrund wechseln sich rote mit grünen Pflanzen ab; ein Anklang an das Paradies als den attestamentarischen Vorläufer des Neuen Jerusalem.

Anatolij Ivanovic Red’kin, Natella Alekseevna Topurija: Serpuchovskij Istoriko-Chudozestvennyj Muzej, Moskau 1977.
Museum Russischer Ikonen (Hrsg.): Der ewige Schatz, Moskau 2018.
Claus Bernet: Denkmalschutz, Denkmalpflege und UNESCO-Weltkulturerbe, Norderstedt 2020 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 47).

 

tags: Arkaden, Weltgericht, Russland, Geschichts- und Kunstmuseum in Serpuchow, Altgläubige, Tempera, Manierismus, Petrus
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