Harry Harvey (1922-2011): St Mary in Alne (1958)

Im Jahr 1958 wurde in St Mary in Alne in der Grafschaft Yorkshire ein neues expressionistisches Ostfenster von dem Glasmaler Harry Harvey (1922-2011) eingesetzt. Grund dafür waren Schäden des Vorgängerfensters durch den Zweiten Weltkrieg in den 1940er Jahren. Die eigentliche Stadt Gottes ist in die mittlere von drei Fensterbahnen gesetzt. Im Zentrum der Stadt fließt der Lebensfluss mäandernd von oben nach unten. An seinem Ufer findet man links goldene Bauten und rechts einen goldfarbenen sowie einen grünen Baum: den Baum des Lebens (NT) und den Baum der Erkenntnis (AT). An den Seiten finden sich schräge Mauerzüge, an deren Knickpunkten Tore gesetzt sind. Es sind schmale, mittelalterliche Tore, in denen Engel stehen. Die schrägen, die Perspektive wechselnden Mauerseiten sind einmalig und lassen sich keiner gängigen Form zuordnen. Ganz unten befindet sich ein etwas größeres Tor, in dem Christus mit der Siegesfahne steht (leider durch das davorstehende Kreuz teilverdeckt).
Bemerkenswert sind die sechs Illustrationen der beiden Seitenfenster, die Elemente aus der Leidensgeschichte Christi thematisieren, im Uhrzeigersinn: die Geißelsäule, die Dornenkrone, zwei Hände mit den Silbergroschen, der Kreuznagel unter dem Feuer, das abgeschnittene Ohr des Malchus und der Hahn der Verleugnung des Petrus. In Kombination mit der Stadt Gottes sind diese sechs Symbole einzigartig.

 The parish church of St Mary, Alne. A brief history, o.O. um 1970.
William Waters: Stained glass from Shrigley & Hunt of Lancaster and London, Lancaster 2003.
Claus Bernet: Kirchenfenster und Glasarbeiten, Teil 3, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 26).

 

tags: England, Yorkshire, Expressionismus, Nachkriegskunst, Passion, Nagel, Dornenkrone, Geißelsäule, Hahn, Silbergroschen
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