St. Vitus in Heidelberg (1400-1450)

St. Vitus ist die römisch-katholische Pfarrkirche in Heidelberg-Handschuhsheim. Sie ist die älteste Kirche Heidelbergs und sogar eine der ältesten Kirchen der Region, deren sakrale Nutzung durchgehend belegbar ist. Auf ihrer Westwand befinden sich Fresken aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die im Jahr 1911 freigelegt und restauriert wurden. Im Eingangsbereich findet sich eine Torszene, auf der Petrus einige Heilige in das Himmlische Jerusalem einlässt bzw. mit einer Hand gerade die Tür aufschließt. Diese Figur mit dem Heiligenschein ist übergroß aufgemalt und verdeckt fast die gesamte rechte Seite des Torturms, während die linke Seite unmittelbar an den Bildrand gepresst ist.
Die Stadt wird als niedriger Turm mit einem grünen Schindeldach und einer Holztür präsentiert, deren Maserung man gut erkennen kann. Von rechts näheren sich mehrere Vertreter von Ständen der Pforte, die sich jedoch nicht vollständig erhalten haben. An der Kopfbedeckung zu identifizieren sind ein Bischof (mglw. auch ein Papst), ein Fürst und ein Mönch. Auch der darüber befindliche Engel, der vermutlich die Posaune zum Gericht bläst, hat sich nur zur Hälfte erhalten. Der Maler, die genaue Entstehungszeit sowie die Umstände der Entstehung des Freskenzyklus’ mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts sind nicht bekannt.

Meinrad Schaab: Heidelberg-Handschuhsheim, in: Die Stadt- und die Landkreise Heidelberg und Mannheim, Band II, Karlsruhe 1968, S. 96-113.
Renate Neumüllers-Klauser: St. Vitus Heidelberg-Handschuhsheim, Regensburg 2001 (2).
Claus Bernet: Torszenen, Himmelspforten, Porta Coeli, Norderstedt 2014 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 11).

 

tags: Heidelberg, Württemberg, Pforte, Fresko, Spätmittelalter, Ständevertreter, Rekonstruktion, Weltgericht
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