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St. Reinoldi-Kapelle in Rupelrath (um 1500)

Die wenig bekannte St. Reinoldi-Kapelle auf der Anhöhe oberhalb der Hofschaft Rupelrath birgt Malereien aus der Zeit um 1500. Sie wird zwar nicht zu den fünf „Bunten Kirchen“ des Bergischen Lands gezählt, hat aber ebenso farbige Ausmalungen. Der Einzug der Seligen in das Himmlische Jerusalem zeigt die Gottesstadt als einen Kirchturm, der an die Kölner Kirche St. Gereon mit ihrem Dekagon erinnert. Nach diesem Vorbild wird in der Malerei das Gebäude auch von zwei halbhohen Treppentürmen flankiert.
Die Malereien wurden neu entdeckt, nachdem bei Bombenangriffen 1945 Schäden im Mauerwerk und im Putz auftraten. Haben anderswo Bomben Wandbilder vernichtet, so haben sie hier einmal Wandfresken hervorgerufen. Im Frühjahr 1952 legte der Aachener Restaurator Franz Stiewi dann eine umfangreiche Kalksecco-Malerei frei. 1997/98 erfolgte eine zweite Restaurierung durch Sigrun Heinen.

Auf dem nördlichen Apsisgewölbe befindet sich über drei Fenstern eine Darstellung des Jüngsten Gerichts mit Christus, Heiligen sowie links dem Neuen Jerusalem und rechts der Hölle. Verbunden sind die Bildelemente durch ein breites Band über den Fenstern, in die weitere Szenen und Erzählungen eingearbeitet sind. So führt ein Heiliger mit einem Kreuz zwei Nackte (Adam und Eva) in Richtung der guten Seite (nach links).

Die Pforte der Jerusalemsdarstellung, deren goldener Türflügel geöffnet ist, wird von einem Wimperg überragt, einem gotischen Ziergiebel, der mit Krabben besetzt ist. Die Giebelfläche ist als Blendmaßwerk mit einem Dreipass ausgearbeitet und wird von zwei Fialen flankiert. Zahllose Gerettete werden vom überragenden Petrus empfangen, der von den Massen geradezu weggedrängt wird. Das Gebäude ist besonders in seinen oberen Partien sorgfältig gemalt und ähnelt romanischen Kirchen in Köln. Nach dort gab es eine erhellende Verbindung: Aus mehreren Hofgerichtsprotokollen geht hervor, dass im Spätmittelalter das Kölner Stift über mindestens zwei Höfe in Rupelrath verfügte, die für Einnahmen und Naturalien sorgten.

Heinz Rosenthal: Solingen. Geschichte einer Stadt, 1, Duisburg 1969.
Sigrun Heinen: Die Restaurierung der Wandmalereien in der St. Reinoldi Kapelle in Rupelrath, Brauweiler 1997.
Andreas Sassen, Claudia Sassen: Die St. Reinoldi Kapelle in Rupelrath, Solingen 2010.
Andreas Sassen, Claudia Sassen: Eine Darstellung St. Gereons zu Köln in der St. Reinoldi-Kapelle bei Rupelrath, Solingen 2011.

 

tags: Kapelle, Bergisches Land, Köln, Wimperg
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