Joseph Christian „J. C.“ Leyendecker (1874-1951): Kunstdruckmappe (1894)

Im Jahr 1896 erschien eine Mappe mit beweglichen Farbdrucken, herausgegeben von dem US-amerikanischen Verlag Powers, Fowler & Lewis in Chicago, unter dem Titel „Pen Pictures from Genesis to Revelation“ (zu Deutsch: „Farbstift-Zeichnungen von der Genesis bis zur Offenbarung“). Der verantwortliche Illustrator war Joseph Christian „J. C.“ Leyendecker (1874-1951), der in Deutschland geboren worden war, 1882 in die USA auswanderte, Karriere als Künstler machte und dort auch verstarb. Leyendecker zeigte früh Interesse an der Malerei und arbeitete bereits als Sechzehnjähriger in Chicago als Kunstmaler und Graveur bei der Firma J. Manz & Co. Zusätzlich nahm er abends Stunden bei John H. Vanderpoel im Chicago Art Institute. Aus dieser frühen Schaffensperiode stammt diese Zeichnung zur Apokalypse, die bereits 1894 für die projektierte Bibelausgabe vorlag.
Von rechts beobachten ein weißer Engel und Johannes im roten Antikgewand die ihnen gegenüberliegende Stadt, von der sie durch ein tiefes Tal getrennt scheinen. Der nachdenkliche Johannes wird durch den Maßstab des Engels direkt über seinem Gesicht auf die Erscheinung aufmerksam gemacht. In der anderen Hand trägt der Engel einen goldenen Gegenstand, dessen Funktion mir nicht ganz deutlich wird: es sieht aus wie eine Vase oder eine Phiole sein, für eine Trompete ist es zu klein. Nach rechts hin sind die beiden Figuren durch eine monumentale Felswand gerahmt, die fast bis an den oberen Rand reicht. Die Stadt erscheint in den gleichen weißgrauen Farben wie die Wolken und ist daher kaum zu differenzieren. Sie besteht wohl aus einer langen Mauer, die sich durch den gesamten Horizont zieht. Aus der Mauer ragen in regelmäßigen Abständen Türme hervor. Ein Blick in das Innere bleibt verwehrt.

Michael Schau: J. C. Leyendecker, New York 1974.
Walt Reed, Roger Reed: The illustrator in America 1880-1980, New York 1984.

 

tags: Stift, Farbdruck, Bibelausgabe, USA
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