Tympanon von Sankt Bonifacius in Bad Langensalza (um 1360)

Bad Langensalza ist eine Stadt an der Unstrut, die im Mittelalter als mitteldeutsche Handelsmetropole eine Blüte erlebte. Als Zentrum des Gewürzhandels kam Geld in die Stadt, die mächtige Marktkirche Sankt Bonifacius wurde errichtet. Um 1360 wurde das Tympanon des Westportals mit prächtigem Figurenschmuck aus Sandstein ausgestattet, mit dem traditionellen Thema des Weltgerichts. Die beteiligte Steinmetzschule oder gar einzelne Bildhauer sind nicht bekannt. Es handelt sich um den Haupteingang in das Gotteshaus. Der Balken des Türsturzes zeigt einige Gerettete, die von Petrus in die Gottesstadt gelassen werden sollen. Es sind, wie auf solchen Darstellungen üblich, mittelalterliche Standesvertreter, die hier versammelt sind: geistliche und weltliche Herrscher, dazwischen auch einige einfache Personen als Laien.
Noch ist die Pforte dorthin geschlossen, man sieht deutlich die eisernen Beschläge – doch Petrus dreht gerade den Schlüssel. Umgeben ist die Pforte fast vollständig von Wolken, die hier aber, untypisch für vergleichbare Arbeiten der Gotik, wie Schaum aussehen. Sie verdecken somit mögliche Ansätze der Stadtmauer zu seinen der Pforte. Auch ihre Form als Fünfeck ist eher ungewöhnlich und zeigt, dass hier ein Steinmetz mit eigenen Ideen tätig war.
Die einstige Kolorierung der Szenerie hat sich nur in ochsenblutroten Fragmenten erhalten, auch die Umweltschäden haben ihre Spuren hinterlassen. Zum Schutz vor weiterem Verfall wurde das Kunstwerk mit einem Netz umspannt, das vor allem Tauben abhalten soll.

Michael Manger: Geschichte, Baubeschreibung und Baugeschichte der Marktkirche Sankt Bonifacius in Bad Langensalza, Bad Langensalza 2004. 

 

tags: Unstrut, Sachsen-Anhalt, Gotik, Mittelalter, Pforte, Ständevertreter, Weltgericht
Share: