R. S.: Pilgrim‘s-Progress-Interpretation von 1930

Diese filigrane Blauzeichnung stammt von Seiten der Adventisten, die zu der Geschichte von Pilgrim’s Progress des John Bunyan aus dem 17. Jahrhundert schon immer einen besonders innigen Bezug hatten. Die annähernd symmetrisch aufgebaute, imposante Stadt erhebt sich über Wolken. Unten zeigt sich ein massives Tor mit mittelalterlichen Zinnen. Es scheint offen zu stehen. Weiter oben schieben sich zahlreiche Bauten unter Betonung der Vertikalen nach oben, so dass eine pyramidale Struktur entsteht, deren Spitze allerdings außerhalb des Bildes liegt. Innerhalb der Bauten laufen zahlreiche gotische Strebpfeiler auf einen Hauptbau zu, der einer Kathedrale ähnelt. Belebende Elemente, wie Engel, das Lamm Gottes oder Adoranten sind zunächst nicht zu entdecken. Allein der Wanderer unten, anhand des Stabes und des Huts als Pilger zu erkennen, verweist auf die zukünftige Bedeutung der Stadt für die noch Lebenden. Eigenartigerweise blickt er nicht in Richtung der Stadt, sondern folgt dem noch weiten Weg vor ihm.
Schaut man sich Jerusalem genauer an, so kann man direkt über dem Tor einen zweiten blockartigen Bau finden. Auf diesem befindet sich eine Terrasse, auf der sich zahlreiche Engel oder Gerettete versammet haben.
Die komplexe Zeichnung zeigt das Cover des ersten Heftes des Jahres 1930 (Band 47) der Zeitschrift „Herold der Wahrheit“, die von Adventisten in Hamburg herausgebracht wurde. Der namentlich nicht bekannte Künstler hat mit R. S. signiert, vielleicht wird die zukünftige Forschung hier eine Zuweisung ermöglichen.

Claus Bernet: „The Pilgrim’s Progress“ von John Bunyan, Norderstedt 2015 (Meisterwerke des Himmlischen Jerusalem, 24).

 

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