Blockbuchausgaben der Apokalypse (1450-1470)

Blockbücher werden die kolorierten Holzschnitte in der Zeit vor dem Buchdruck genannt. Sie erzählen in einer Mischung von Text und Bild (in Holz graviert) die Bibel, bzw. hier die Apokalypse. Sie waren preiswert hergestellt und in vielen Haushalten zu finden, die sich teure Bibelausgaben nicht leisten konnten oder wollten. Blockbücher werden heute in vielen größeren Bibliotheken der westlichen Welt aufbewahrt, allein acht Exemplare in New York, vier in London und drei in Wolfenbüttel. Die Illustrationen sind sich vom Motiv aus gesehen jedoch recht ähnlich und lassen sich in sechs Gruppen einteilen. Dabei gehen alle sechs Varianten auf eine heute verlorene Handschrift oder Blockbuchausgabe zurück. Diese bekam die Bezeichnung „Schr. I“, die folgenden Gruppen teilte man ein in Schr. II, Schr. III, Schr. IV.
Erhalten aus der Gruppe „Schr. I“ hat sich eine Apokalypse der John Rylands University Library in Manchester, welche auf 1450 datiert wird. Das Werk hat die Signatur „block book 3103“ und ist in den Niederlanden entstanden. Es stellt, wie alle folgenden Blockbücher zur Apokalypse, die Gottesstadt zwei Mal dar: Auf dem ersten Blatt fol. 44r findet man links am Boden sitzend Johannes. Hier ist es nicht ein Engel, der Johannes die Gottesstadt zeigt, sondern Christus. Beide stehen sich an den Bildseiten gegenüber. Die Gottesstadt ist in den Blockbüchern durch Gebäude, die von einer hohen Mauer und Türmen umgeben sind, skizziert. Die Hälfte der Bildfläche nimmt allerdings eine Schrifttafel mit einem Apokalypsetext ein (Apok. 21, 1-6).

 

     Niederländische Apokalypse, fol. 45v

Auf einem weiteren Blatt, fol. 45v, wird Johannes erneut sitzend gezeigt, neben ihm zwei Bäume und das Wasser des Lebens. Der Lebensbaum befindet sich in der Stadt, dessen Äste die Bauten überragen. Zwischen den Ästen züngeln auch Flammen umher, als würde die Stadt brennen – eine Anlehnung an den brennenden Dornbusch und die Anwesenheit Gottes.

Paul Kristeller: Die Apokalypse. Älteste Blockbuchausgabe. In Lichtdrucknachbildung, Berlin 1916.
Lamberto Donati: Osservazioni sperimentali sull’ Apocalisse xilografica (I-II-III), in: La Bibliofilia, 58, 1956, S. 85-124.
Samec Ludovici: Apocalisse xilografica estense, Parma 1969.
Sergio Samek Ludovici, Cesare Angelini: Apokalypse: eine Holzschnittfolge der Sammlung Este. Lateinischer Text der kritischen Oxforder Ausg. von J. Wordsworth und H. White, Parma 1974.
Elke Purpus, Cornelia Schneider: Die Szenenabfolge der Blockbuch-Apokalypse, in: Sabine Mertens (Bearb.): Blockbücher des Mittelalters, Mainz 1991, S. 59-74.
Elke Purpus: Die Blockbücher der Apokalypse, Berlin 1995.

 

Schr. II: Beispiel aus Kloster Aldersbach, Passau (BSB Xylogr.4, fol. 44r und 45v). Zwischen 1450 und 1470.

 

In dieser Ausgabe findet man auf fol. 7 eine einfache, eben holzschnittartige Darstellung des Weltgerichts. In der Mitte thront Christus, umgeben von Engeln und harfespielenden Märtyrern. Rechts unten wurde dem Bild eine Himmelspforte beigegeben, die sich nach rechts öffnet, wo ein grüner Hügel den Zionsberg markiert. Ein erschöpfter Pilger, festzumachen an seinem Stab, hat die offene Pforte erreicht. Sie besteht aus lediglich dünnen Pfeilern und oben aus einem Dreipass, zu dessen Seiten rote Fensteröffnungen andeuten, dass dieser Bau auch eine Kirche darstellen soll.

 

Schr. III: Beispiel aus Deutschland (HAB, Xylogr. 2 (2), fol. 70v und 72v). Zwischen 1450 und 1470.

 

Schr. IV: Beispiel aus Süddeutschland, Ende 15. Jh. (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 34, fol. 107r und 108v). 15. Jh.

 

Schr. V: Beispiel aus Süddeutschland, vor 1469. Um den Verkaufspreis niedrig zu halten, wurden manche Exemplare ohne Kolorierung angeboten (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 226a, fol. 311v und 312v). Vor 1469.

 

tags: Böockbuch, Spätmittelalter, Armenbibel, Holzschnitt, John Rylands University Library, Flammen, Dornenbusch, Bayerische Staatsbibliothek München, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, Universitätsbibliothek Heidelberg, Niederlande, Passau, Süddeutschland, Pforte
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