Weltgerichtsdarstellung aus St. Marien in Plate (um 1492)

Die evangelisch-lutherische St. Marien-Kirche gehört zur Kirchengemeinde Plate im Kirchenkreis Lüchow-Dannenberg der Landeskirche Hannover. 1472 bis 1492 wurde der Bau umfassend renoviert, wobei als Abschluss der Arbeiten ein Fresko angebracht wurde. Man wählte als Motiv das Weltgericht, nicht zuletzt, weil Plate zu dieser Zeit auch ein beliebter Wallfahrtsort gewesen war und viele Kranke hier Hoffnung fanden. Durch die Einnahmen der Wallfahrt war es auch möglich, diesen Bau reichlicher auszustatten als andere Kirchen im Wendland.
Nachdem das spätmittelalterliche Bild aus der Mode gekommen war, platzierte man im 16. Jahrhundert die Renaissance-Orgel davor. Somit ist auch heute noch das Fresko hinter der Orgel fast unsichtbar versteckt, so dass es erst im Jahr 1900 neu entdeckt und freigelegt wurde.

Durch die Orgelempore in eine dunkle Ecke geraten: links das Himmlische Jerusalem, rechts die Hölle

Es handelt sich um eine niedersächsische Arbeit in traditioneller Motivik. Ganz links befindet sich eine bräunlich-rote Himmelspforte, die im Original in den engen Zwickel regelrecht hineingeschoben wirkt. Sie ist auffällig unauffällig gehalten, weder gotische noch spätgotische Stilelemente lassen sich ausmachen, lediglich ein schmaler Doppelbogen. Als Pforte des Himmels ist sie durch den Kontext zu bestimmen: Vor ihr sieht man Petrus, wie er ankommende Gerettete begrüßt. Unter den Geretteten befinden sich auch Zisterzienserinnen, was andeutet, dass die Kirche von diesem Orden gegründet oder betreut wurde.

Anton Detlev von Plato: Kurze Geschichte der St.-Marien-Kirche zu Plate, Plate 1988.
Axel Fischer: St.-Marien-Kirche Plate. Die Renaissance-Orgel, Plate 2014. 

 

tags: Wendland, Niedersachsen, Weltgericht, Fresko, Orgel, Zisterzienser
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