Codex Gerundensis (um 975)

Von dem Himmlischen Jerusalem des Codex Gerundensis hat sich nur die eine (linke) Hälfte der Stadtdarstellung erhalten, auf der sechs Tore um ein gelbes Feld angeordnet sind, in dem ein Engel steht. Es fehlen weitere sechs Türme mit vermutlich dem Gotteslamm und Johannes. Der Beatus von Turin (Turin, Biblioteca Nazionale Universitaria, MS I.II.I, einst lat. 93), entstanden um 1100, ist eine unmittelbare Kopie des Beatus von Girona, die sich jedoch vollständig erhalten hat und auf der man auch die rechte Hälfte sehen kann, wie sie einst ausgesehen haben mag.
Der ältere Codex Gerundensis aus der Zeit um 975 stammt aus dem Königreich León und wird im Diözesanmuseum der Kathedrale Girons im Nordosten Kataloniens aufbewahrt, unter der Signatur MS 7.
Das erhaltene Blatt 230v des Codex Gerundensis zeigt eine überaus reiche Musterung und Schraffierung, die dieses Werk charakterisieren, das auf Detailfragen Wert legt. So sind hier den Gesichtern der Apostel individuelle Züge verliehen worden. Jedes der Tore hat eine eigene Farbe, und auch die Felder mit den Musterungen zwischen den Toren sind niemals gleich – dennoch entsteht ein harmonischer Gesamteindruck. Hier befinden sich die Tore in einer unteren und einer oberen Reihe. Ganz oben sind Filialtürme aufgesetzt, die rein dekorativen Charakter haben. 

Jaime Marques-Casanovas: El Beato de Gerona. Companion volume to the facsimile edition of the codex Gerundensis, Madrid 1975. 
Peter K. Klein: Der ältere Beatus-Kodex Vitr. 14-1 der Biblioteca Nacional zu Madrid. Studien zur Beatus-Illustration und der spanischen Buchmalerei des 10. Jahrhunderts, New York 1976.
Meyer Schapiro: The Beatus Apocalypse of Gerona. Late antique, early Christian and mediaeval art, New York 1979. 

 

tags: Beatus, Mozarabisch, Museum, Katalonien, Spanien
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